Wie FLOCKPIT Social Media nutzt, um Investment-Entscheidungen abzuleiten

Flockpit nutzt Social Media, um die Stimmung in der Crowd für den Aktienhandel zu nutzen. Gründerin Larissa Lielacher kaufte mit 14 Jahren ihre erste Aktie – und liegt damit voll im familiären Trend.

Wenn jemand mit 14 Jahren per Telefonhandel seine ersten Aktien kauft, kann getrost von einergewissen Affinität zur Finanzbranche ausgegangen werden. Larissa Lielacher ist dabei familiär vorbelastet: Ihr Vater Michael „Mike“ Lielacher galt in den 90er-Jahren als Börsenguru, ihr Bruder arbeitet im Bereich Financial Literacy. Gemeinsam mit Co-Gründer Gaspard Coudurier startete sie vor Kurzem Flockpit. Auf der Plattform werden Twitter und der auf Finanznews spezialisierte US-Social-Media-Kanal StockTwits auf Tweets zu Aktien, politischen Ereignissen etc. untersucht und daraus Investment-Entscheidungen abgeleitet. Flockpit war Ende 2015 im Microsoft Ventures Accelerator vertreten, derzeit laufen die Verhandlungen mit Kunden – so sollen etwa große Banken Flockpit als Recherchequelle in ihre Trading-Systeme integrieren.

Flockpit nutzt Social-Media-Unterhaltungen, um die Aktienmärkte zu analysieren. Wie kann man sich das vorstellen?
Ich habe irgendwann erkannt, dass Twitter starke Auswirkungen auf die Märkte hat. Die in Echtzeit stattfindenden Tweets zu Aktien beeinflussen die Kurse. Wenn etwa Elon Musk etwas über die Tesla-Aktie schreibt, reagiert der Markt darauf. Mithilfe eines Algorithmus analysieren wir bei Flockpit Beiträge auf Twitter und StockTwits und zeigen so sekündlich aktualisierte Indikatoren an, die etwa „Happiness“ oder „Excitement“ für eine Aktie angeben.

Wenn Elon Musk etwa „A great year for Tesla“ twittern würde: Wie schlägt sich das in Ihren Indikatoren nieder?
„Great“ ist ein stärkeres Wort als etwa „good“, ein solcher Tweet hat also Auswirkungen auf den Excitement-Indikator. Da es ein positiver Tweet ist, steigt auch der Happiness-Indikator. Und weil Elon Musk mit vielen Entscheidungsträgern vernetzt ist und viele Follower hat, steigt auch der Impact-Indikator.

Wie kam es zu der Idee?
Ich habe einen Master in Monaco gemacht, bereits mit der Idee für Flockpit im Kopf. Ich wollte dort meine statistischen und vor allem meine Programmierkenntnisse erweitern, um aus der Idee ein Produkt bauen zu können. Im Zuge dessen habe ich dann meinen Mitgründer Gaspard Coudurier kennengelernt. Gaspard ist ein absolutes Tech-Genie und hat auch den Algorithmus entwickelt, den wir verwenden. Während einer Präsentation an der Universität haben wir ein sehr simples Filterprogramm für Twitter in Echtzeit angewandt. Damals hätten wir basierend auf den Tweets – unseren Kommilitonen die Hewlett-Packard-Aktie zum Kauf empfohlen. Unser Professor hat uns dann kurz nach der US-Markteröffnung den HP-Kurs gezeigt: In den ersten fünf Minuten nach Eröffnung ist HP um 4,5 Prozent gestiegen.

Warum investieren Sie nicht einfach selbst am Aktienmarkt?
Wir haben nach unserem Abschluss überlegt, ob wir nicht einen Hedgefonds starten sollen. Man braucht aber wirklich eine Wahnsinnsperformance, wenn man mit dem eigenen Geld tradet. Und da man ja davon leben muss, zahlt man sich regelmäßig Geld aus, wodurch das Portfolio auch nicht weiter wächst. Um vom Traden alleine komfortabel leben zu können, braucht man meiner Meinung nach etwa 500.000 € – übrigens sind das auch die Kosten, wenn man in die Vermögensverwaltung gehen will. Das hatten wir nach Ende unseres Studiums nicht, also haben wir das Produkt entwickelt.

Wieso haben Sie sich dazu entschieden, das Projekt eigenständig zu finanzieren?
Wir hatten zwar einige Angebote von Venture-Capitalists, aber wir wollten erst mal wirklich Geld verdienen und auch einige größere Kunden gewinnen, bevor wir eine Finanzierungsrunde starten. Dann bekommen wir wahrscheinlich auch bessere Konditionen und sind im Allgemeinen nicht so sehr auf externes Kapital angewiesen.

Die Plattform ist für Privatanleger komplex. Wer sollen denn die Kunden sein?
Wir sind da gerade in Verhandlungen, konkret ist noch nichts. Es testen aber vier der zehn größten Banken weltweit Flockpit. Wir integrieren das Programm in die Trading-System der Institute als zusätzliche Recherchequelle für deren Analysten oder Fondsmanager. Die Datenabos bzw. die Plattform verkaufen wir also vor allem an große Unternehmen. Aber auch Privatanleger sollen sich auf Basis eines Abonnements Flockpit in ihr jeweiliges Trading-Programm holen können – auch da sind wir gerade mit der Integration beschäftigt, etwa mit der Plattform Ninjatraders.

Ihre Familie ist sehr finanzaffin – kann man dem Aktienhandel da überhaupt entkommen?
Nicht wirklich. Ich habe schon mit 14 Jahren meine ersten Aktien in der New Economy gekauft. Meine erste Dividende erhielt ich von dem Pharmaunternehmen Eli Lilly. Ich wusste damals noch nicht, was Dividenden sind und war verwirrt, als mir plötzlich 1,50 US-$ überwiesen wurden. Das lief damals alles noch via Telefonhandel mit der Sparkasse. Ich hatte etwa 500 Schilling monatliches Taschengeld und habe dann irgendwann an einem Tag 8.000 Schilling mit Aktien verdient. Da war mir dann klar, dass ich an den Märkten bleiben will.

Was wäre denn ein klassischer Flockpit-Trade?
Da gibt es ein schönes Beispiel. Der 26. Oktober 2015 galt als „Back to the Future“-Day. Im Film kam Marty McFly genau an diesem Tag in der Zukunft an und hatte seine selbstschnürenden Sneaker dabei. Nike hat dann an diesem Tag tatsächlich so ein Paar im Store in New York präsentiert. Währenddessen gab es extrem viel Ak- tivität auf Twitter, was unsere Indikatoren auch anzeigten. Es gab dann im Aktienkurs wirklich einen Mikrotrend, wo der Kurs um rund 1,2 Prozent in die Höhe ging, weil so viele Leute über die Turnschuhe geschrieben haben.

Wozu würden Sie Anlegern derzeit raten?
Ich wäre aktuell sehr vorsichtig. Es kann sein, dass wir eine kurzfristige Korrektur sehen, wir hatten einen ziemlichen Bullenmarkt die letzten Jahre. Man kann gute News aber kurzfristig traden, etwa die Deutsche-Bank-Aktie, die momentan sehr interessant ist. Aber Investoren sollten auf jeden Fall mit engen Stops arbeiten, um mögliche Verluste gut abzusichern.

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