Methodologie: Wie die Forbes Milliardärs-Liste zustande kommt

Die Berechnung der Vermögen der Forbes Milliardärs-Liste ist eigentlich eine relativ klare  Sache. Und dennoch ergeben sich dabei so einige Herausforderungen. Das zeigt sich exemplarisch an Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz, US-Präsident Donald Trump und dem mittlerweile verstorbenen Billa-Vater Karl Wlaschek.

Die Forbes Milliardärs-Liste ist eine Momentaufnahme des Nettovermögens von Personen weltweit, die rund ein Monat vor dem offziellen Erscheinungstermin aufgenommen wird. Es ist eigentlich kein grosses Geheimnis, welche Informationen zur Berechnung der Liste verwendet werden.

An einem Stichtag im Februar wird der bestehende Wert aller Vermögensbestände der in Frage kommenden Personen geschätzt. Darunter fallen gehaltene Aktien, Unternehmensbeteiligungen, Grundstücke, Immobilien, Autos, etc. In zwölf Monaten – die Forbes Milliardärs-Liste erscheint einmal jährlich – da kann sich viel ändern. Vor allem der Wert der Aktien, die die auf der Liste vertretenen Personen besitzen, schwankt oft massiv.

Am Beispiel des reichsten Österreichers Dietrich Mateschitz lässt sich das exemplarisch zeigen.  Mateschitz ist mit seinem 49%-Anteil am Getränkekonzern Red Bull ein gutes Beispiel, denn das Salzburger Unternehmen ist im Gegensatz zu vielen anderen Beteiligungen der Superreichen nicht börsenotiert. In diesem Fall wird eine Peer Group erstellt (also eine Gruppe von ähnlichen Unternehmen) anhand derer der gegenwärtige Wert von Red Bull-Anteilen bewertet wird.

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Credit: Bloomberg

Zu Red Bull’s Peer Group zählen unter anderem die börsenotierten Getränkekonzerne Monster und Coca-Cola sowie die Dr. Pepper Snapple Group – Mateschitz’ Vermögen ist von dem Wert der Aktien jener Mitbewerber abhängig. Ein jüngstes Beispiel zeigt, wie der Erfolg der Konkurrenten den Wert steigern kann: Am Tag des Börsengang der Snapchat-Mutter Snap – an dem die beiden Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy satte 1,4 Milliarden US-$ verdienten – war Mateschitz weltweit die Nummer Drei der Personen mit dem höchsten Vermögenszuwachs.

Das, lag daran, dass an dem Tag die Aktie von Monster um rund zwölf Prozent, die von Coca-Cola um ein Prozent und die von Dr. Pepper Snapple um 1,5 Prozent in die Höhe gingen. Der Wert von Mateschitz’ Red Bull Anteil stiegt so um 944,3 Millionen US-$ – und das innerhalb weniger Stunden.

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Credit: onvista.de

Zumeist haben unsere Kollegen von Forbes US ihre liebe Mühe, Auskünfte von den Individuen zu bekommen, die auf der Liste vertreten sind. Die meisten Milliardäre wollen ihr Vermögen nämlich kleiner machen, als es ist. Donald Trump bildet die Ausnahme von dieser Regel. Er behauptete im Oktober 2015, sein Vermögen belaufe sich auf zehn Milliarden US-$. Die Forbes-Schätzung bezifferte es hingegen auf 4,5 Milliarden US-$.

Trump sagte damals im Interview mit Forbes US-Chefredakteur Randall Lane: „Ich bin im Rennen um die Präsidentschaft. Ich habe mehr Geld, als ihr angebt. Das sieht nicht gut aus für mich. Es würde besser aussehen, wenn ich zehn Milliarden US-$ schwer bin, als wenn es nur 4,5 Milliarden US-$ sind.“

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Credit: Jamel Toppin für Forbes US

Die Liste fokussiert sich auf das Vermögen von Individuen, nicht auf Familien mit mehreren Generationen. Wenn Familienmitglieder hinzu kommen kann es also sein, dass Personen plötzlich unter die Milliardengrenze fallen. Ein Beispiel aus Österreich: Karl Wlaschek war jahrelang einer der wenigen Österreicher auf der Liste. Als er jedoch am 31. Mai 2015 verstarb, verteilte sich das zuvor ihm zugeschriebene Vermögen auf seine Erben – Frau und Kinder. Und diese Verteilung ist noch nicht restlos geregelt. Somit erreich niemand der Familie die Milliardengrenze, wodurch sich 2016 und 2017 kein Vertreter aus dem Wlaschek-Clan auf der Milliardärs-Liste wiederfand.

Mehr Informationen: www.forbes.com/billionaires.

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