Vom Start-up zur Bank: Number26 wird N26

Rund eineinhalb Jahre nach dem Launch macht das Fintech-Start-up Number26 den nächsten Schritt und erhält die Banklizenz. Nach einigen Negativschlagzeilen, die das Unternehmen zuletzt machte, setzt man damit wieder einen positiven Schritt nach vorne.

Mit der Erteilung der Banklizenz durch die deutsche Regulierungsbehörde BaFin und die Europäische Zentralbank EZB wird das Start-up Number26 nun völlig eigenständig. Die Migration der Kunden soll im zweiten Halbjahr 2016 passieren. CEO Valentin Stalf: „Grundsätzlich ändert sich nichts großartig. Die Karte funktioniert weiter, das Frontend bleibt gleich. Das einzige, was sich früher oder später ändern muss ist – durch den Wechsel des Bankpartners – die Kontonummer, sprich der IBAN.“

Bisher war man durch die Partnerschaft mit der Wirecard Bank in einigen Bereichen eingeschränkt, etwa bei der Zusammenarbeit mit anderen Fintechs. Das soll sich laut Stalf nun ändern: „Der Wert einer zukünftigen Bank kommt unserer Meinung nach nicht nur aus dem Balance Sheet, sondern aus dem Verhältnis zum Kunden. Um unseren Kunden die beste Experience zu bieten, bauen wir aber nicht alle Produkte selbst, sondern wollen ein Finanzhub werden. Mit unserer Banklizenz sind wir ein stabiler Partner und können die besten Fintechs Europas auf unsere Plattform holen.“

Nächste Woche soll bereits ein Investmentprodukt mit einem noch unbekannten Partner eingeführt werden, wo man, laut Stalf, „mit zwei, drei Klicks Investments tätigen kann.“ Zudem soll die Möglichkeit zur Ausgabenteilung geboten werden, ähnlich wie bei dem Fahrtendienst Uber. Stalf: „Wenn man mit vier Freunden um 40 € Mittagessen geht, können Kunden mit einem Swipe in Echtzeit die Kosten teilen – dann zahlt jeder automatisch nur 10 €.“

Generell sollen Produkte in allen Dimensionen angeboten werden: Investment-, Kredit- oder Versicherungsprodukte. Zudem will Number26 verstärkt auf Datenanalyse setzen. Die meisten Systeme seien „backward-looking“, traditionelle Banken nutzen das vor allem für das Reporting. Stalf & Co. wollen hingegen auf Basis der Daten den Kunden maßgeschneiderte, gezielte Angebote machen können.

Mit der Lizenz geht auch ein Rebranding einher: Die Bank selbst heißt ab sofort nur noch N26. „Damit wollen wir einerseits den Neustart begleiten – zudem ist uns für die Kunden aber auch die Einfachheit wichtig. Die signalisieren wir mit dem neuen, kürzeren Namen noch stärker.“ Auch das Management-Team wird im Zuge des Schritts erweitert. Neben den drei Österreichern CEO Valentin Stalf, CFO Maximilian Tayenthal und CTO Christian Rebernik, die Number26 weiterhin leiten, kommen Markus Gunter und Matthias Oetken hinzu. Gunter wird CEO, Oetken CFO der Tochter „N26 Bank“. Gunter war zuletzt als CEO des deutschen Online-Brokers DAB tätig, Oetken baute das Spin-Off HSH Financial Markets Advisory auf.

Auf die Frage, wann die Profitabilität erreicht werden soll, antwortete Stalf folgendermaßen: „Es gibt einen Plan, in den nächsten drei Jahren profitabel sein zu können – wenn wir das wollen. Doch das hängt auch von unserem Wachstum ab. Wenn wir aggressiv wachsen wollen, könnten wir vielleicht noch eine Finanzierungsrunde durchführen, das will ich nicht ausschließen.“

Und auch fernab der Zahlen sind die Ziele ambitioniert. Zurzeit steht die Bank bei 140 Mitarbeitern und hat 200.000 Kunden – das soll sich aber bald ändern: „Unsere Vision ist es, eine paneuropäische Bank zu werden. Im Hinblick auf die Nutzer wollen wir mittelfristig eine Million Kunden erreichen. Da stehen wir zwar erst am Anfang des Weges. Aber wenn man sich unser Wachstum in den letzten Monaten ansieht, ist das durchaus realistisch.“

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