Viel gelernt bei TEDx Vienna

Technology, Entertainment, Design – TED Talks rund um die besten Ideen zu diesen Themen gehen seit 2009 um die Welt. Vergangenen Samstag traten 22 Speaker im Wiener Volkstheater ins Rampenlicht.

“What if?” oder “Was wäre, wenn?” – eine Frage, die sich jeder bestimmt ein- oder mehrmals in verschiedenen Lebenslagen gestellt hat. Bei der Vortragsreihe “TEDx Vienna”, vergangenen Samstag im Wiener Volkstheater, war sie Ausgangspunkt spannender internationaler Vorträge – viele darunter vom Publikum auch mit standing ovations gewürdigt. Die Vortragenden erzählten aus ihrem Leben, von ihren Visionen, Träumen und Erfolgen und verfolgten dabei die zentrale Frage, was uns antreibt und unserer Existenz Sinn und Zweck verleiht. “Wir haben eigentlich zwei Leben. Das zweite beginnt dann, wenn wir realisieren, dass wir in Wahrheit nur eines haben”, sagt etwa Jannike Stöhr, die innerhalb eines Jahres 30 verschiedene Berufe getestet und so, wie sie selbst sagt, zu sich selbst gefunden hat. Dass das Leben eine spannende Reise sein kann, zeigt etwa auch das soziale Experiment von Kyle MacDonald. Er ging den umgekehrten Weg von “Hans im Glück” und tauschte eine Büroklammer immer weiter bis zu einem, jetzt seinem Haus, was ihn weltberühmt machte. FORBES Austria traf bei TEDx Vienna zwei österreichische Speaker – keine Unbekannten.

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Kämpfer für eine neue Wirtschaftsordnung

“Was wäre, wenn das Gemeinwohl zum obersten Ziel unseres Wirtschaftssystems wird?”, fragt Attac Mitgründer und Autor Christian Felber in die Sitzreihen des alten Theaters. Sein an diesem Tag im Rampenlicht präsentiertes Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie beruht auf denselben Grundwerten, die auch Beziehungen gelingen lassen. Vertrauensbildung, Wertschätzung, Kooperation, Solidarität und Teilen. “Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind gelingende Beziehungen das, was Menschen am glücklichsten macht und am stärksten motiviert. Wenn die Regeln allerdings Grausamkeit belohnen, dann brauchen wir uns über die aktuelle Situation nicht wundern”, erklärt er. Felber möchte aber nicht als “Gutmensch” abgestempelt werden, er verabscheut diesen Begriff, sagt er. “Diese Bezeichnung dient einzig und allein dazu, den Eindruck zu erwecken, dass der Mensch von Natur aus böse ist. Dabei können wir anhand empirischer Forschungsergebnisse mit Sicherheit sagen, dass der Mensch altruistisch ist, ein sehr ausgeprägtes Ungerechtigkeitsempfinden und tiefe, weitreichende Empathie hat”, so Felber im Gespräch mit FORBES Austria. In der von ihm konzipierten Gemeinwohl-Ökonomie soll wirtschaftlicher Erfolg nicht länger an Mitteln wie Geld oder Gewinn, sondern an Zielen wie Lebensqualität oder Gemeinwohl gemessen werden. Das BIP als Erfolgsindikator soll vom Gemeinwohl-Produkt abgelöst werden und Unternehmen mit guten Gemeinwohl-Bilanzen als Benefit, rechtliche Vorteile wie niedrigere Steuern, geringere Zölle oder günstigere Kredite einbringen. Auch sein neuestes Projekt, die “Bank für Gemeinwohl”, eine genossenschaftlich geführte Alternativbank, soll nicht spekulativ agieren und Geld aus Geld schöpfen, sondern der Gesellschaft dienen und gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen.

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Mehlwürmer als alternative Nahrungsquelle

Verantwortliches Handeln gegenüber einer sich zuspitzenden, globalen Lebensmittelkrise steht auch im Zentrum der Unternehmungen von Katharina Unger, die leidenschaftlich gerne Insekten verspeist. Mit ihrem neuesten Projekt “Livinfarms” will sie aufgeschlossenen Gourmets das ideale Produkt in die Hände geben, um von ihrer Küche aus eine kleine Nahrungsmittel-Revolution zu starten. “Wir brauchen unbedingt neue Lösungen, wie wir zu Proteinen und Nährstoffen kommen. Die Bevölkerung wächst und aktuell geht ein Drittel der weltweiten Ackerfläche nur verloren, um sie an Tiere zu verfüttern”, führt sie in ihrem Vortrag aus. Die 25-jährige Industrie-Designerin präsentiert eine mögliche Alternative: Insekten, genauer gesagt Mehlwürmer. Am 10. November startet sie gemeinsam mit Kollegin Julia Kaisinger eine Crowdfunding-Kampagne, die den Grundstock der ersten Serienproduktion, der stylischen Home-Mehlwurm-Zucht-Stationen finanzieren soll. “80 Prozent der Menschen auf der Welt essen bereits Insekten in irgendeiner Art und Weise. Auch in Europa verspeisen wir unbemerkt 500 Gramm Insekten pro Jahr in alltäglichen Nahrungsmitteln wie Suppe, Schokolade, Fruchtsaft usw.”, erklärt Unger. Auch die Nährwertbilanz der kleinen Würmer – ihr Aminosäurenprofil ist dem von Tofu sehr ähnlich und ihr hoher Potassium-Gehalt beugt Schlaganfällen vor – überzeugt. Und wie schmecken sie? “Mehlwürmer essen gerne Reste von Äpfeln oder Karotten, oder Getreide wie Haferflocken und nehmen sogar den Geschmack an.” TEDx Vienna hatte also auch kulinarisch einiges zu bieten. Die besten Vorträge seit 2009 kann man sich übrigens kostenlos im Internet ansehen.

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