Trading einfach gestaltet – Bux-Gründer Nick Bortot im Interview

Nick Bortot will mit seiner Trading-App Bux jungen Leuten in Sachen Aktienhandel den Weg weisen. Mit dem Ansatz, das Traden einfach zu gestalten, sammelte Bux bereits 400.000 User, in Österreich sind es 10.000 – Tendenz steigend.

Der Slogan „Let’s Rock the World of Finance“, der einem beim Öffnen der Bux-App entgegenspringt, beschreibt die Idee des niederländischen Fintech-Start-ups Bux ziemlich gut. Das ansprechende Layout der App und die einfache Bedienbarkeit sollen vor allem junge Leute, die bisher vor Aktienmärkten wegen der Komplexität zurückgeschreckt sind, ansprechen und überzeugen – und ihnen dabei gleichzeitig etwas über das Traden beibringen. Der Plan scheint zu funktionieren: Die App wird von 400.000 Usern in vier Ländern – Niederlande, Großbritannien, Deutschland und Österreich – genutzt.

Der 43-jährige CEO und Gründer von Bux, Nick Bortot, gönnte sich vor unserem Gespräch das reichhaltige Frühstücksbuffet im Wiener Hotel Daniel. Doch der Niederländer hat noch nicht genug, vor allem in Bezug auf seine App: Bortot ist jung geblieben – und spricht mit ehrlicher Begeisterung über sein Produkt. Verständlicherweise, denn als an den Finanzmärkten interessierter, smartphone-affiner Mensch ist es schwer, sich Bux zu entziehen.

Bortot nennt seine Dienstleistung „Financial Entertainment“ – eine Form der Unterhaltung, der immer mehr User anhängen. Und nicht nur die Bux-User, sondern auch wir lernten so einiges. Etwa welche Aktien die österreichischen Bux-User am meisten handeln und warum das so ist. Aber auch, welche einfachen Tipps Bortot jungen und unerfahrenen Tradern geben würde, um ihren Erfolg zu maximieren.

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In den Top Ten der meistgehandelten Aktien der österreichischen Bux-User zeigt sich, dass vor allem US-Tech-Aktien beliebt sind. Warum ist das so?

Junge Leute mögen Aktien, deren Produkte sie kennen und verwenden können. Daher kaufen sie Aktien wie Facebook, Amazon, Apple, aber auch Tesla und Volkswagen. Zudem haben unsere User abends einfach mehr Zeit – und das ist genau der Zeitraum, in dem die US-Märkte offen sind. Das erleichtert den Kauf zusätzlich.

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Ein Ziel von Bux ist es, dass die User etwas lernen. Werden die Bux-Trader mit der Zeit wirklich besser?

Ja, wir merken sehr wohl, dass die Nutzer besser und schlauer werden. 95 Prozent der Fehler, die beim Traden gemacht werden, kann man an einer Hand abzählen. Wenn man den Leuten also fünf Regeln verrät, können sie ihre Performance deutlich verbessern.

Was wären solche Regeln?

Beispielsweise tendieren Leute dazu, ihre Verluste laufen zu lassen und ihre Gewinne zu früh abzukappen. Man sollte aber genau das Gegenteil machen. Die Gewinne wachsen lassen und die Verluste minimieren. Wir sagen ihnen also, dass sie ihre Trades immer mit einem Stop-Loss (automatischer Verkauf bei einem zuvor festgesetzten Verlustniveau, Anm.) schützen sollen.

Was würden Sie unerfahrenen Tradern sonst noch raten?

Viele starten mit kleinen Beträgen und fangen dann schnell an, größere Summen zu investieren. Und plötzlich verlieren sie all ihr Geld. Es ist also viel besser, bei einem Betrag zu bleiben und erst nach und nach mehr zu investieren. Wenn jemand also 100 € setzt, sollte er das eine Zeit lang machen und dann auf etwa 125 € erhöhen, aber nicht auf 500 €. Weiters sollte man sich eine Strategie überlegen. User, die eine Strategie haben, erzielen viel bessere Ergebnisse.

Hatten Sie Schwierigkeiten mit der in Österreich nur sehr schwach ausgeprägten Aktienkultur?

Eigentlich nicht. Wir wollen ja auch das Traden cool machen und neue Zielgruppen erschließen, die sich bis jetzt noch nicht getraut haben, mit Aktien zu handeln. Und so unterschiedlich sind die User aus den verschiedenen Ländern nicht. Wir machen mittlerweile ein Drittel unseres Umsatzes in Deutschland und Österreich.

Bei Bux kauft man keine Aktien im herkömmlichen Sinn, sondern setzt auf steigende oder fallende Kurse (eventuell mit einem Multiplikator) – ein sogenannter Contract for Difference (CFD). Warum eigentlich?

Wir wollen den Aktienhandel leistbar und einfach machen. Wenn man eine „normale“ Aktie kauft, sind zwei Dinge zu beachten. Wenn die Aktie teuer ist, wie etwa die von Google, braucht man für eine Aktie rund 725 US-$. So viel Geld haben viele junge Menschen einfach nicht. Ein CFD folgt also dem Kurs der Google-Aktie eins zu eins, man kann ihn aber in kleinen Teilen kaufen, etwa zehn € pro Teil. Zweitens haben Börsen relativ hohe Gebühren. Man zahlt etwa in Amsterdam einen Euro pro Trade, bei Bux beginnen die Gebühren bei 0,25 €. Es ergibt also keinen Sinn für uns, alles an einer Börse handeln zu lassen.

Sind CFDs Ihrer Meinung nach risikoreicher als der „reguläre“ Aktienhandel?

Das kommt darauf an. CFDs sind nur dann super, wenn sie in einer verantwortungsvollen Art angeboten werden. Damit meine ich, dass die angebotenen Positionen mit echten Aktien unterlegt, also „gehedgt“ (abgesichert) sind. Auch die Hebel für Nutzer sollten nicht allzu hoch sein.

Ist Bux ein geschlossenes System, wo Gewinne von einem User mit den Verlusten eines anderen bezahlt werden?

Wir aggregieren alle Transaktionen unserer Nutzer. Wenn jemand um 100 € BMW-Aktien kauft und jemand anderer um 100 € BMW-Aktien verkauft, bringen wir diese Transaktionen zusammen. Alles, was über dieses Nettoverhältnis hinausgeht, kaufen wir dann an echten Aktienmärkten – um uns abzusichern und die Sicherheit der Transaktionen zu gewährleisten.

Derzeit ist Bux noch fremdfinanziert (Anfang 2016 nahm das Fintech 6,1 Millionen US-$, u. a. vom deutschen VC-Investor Holtzbrinck Ventures, ein , Anm.). Ab wann wollen Sie schwarze Zahlen schreiben?

Das sollte in der ersten Hälfte 2017 der Fall sein. Wir sind auf einem guten Weg. Normalerweise sind Start-ups überoptimistisch, aber mit unseren Zahlen sind wir eigentlich voll im Plan. Wir haben ein gutes Momentum, in Deutschland und Österreich läuft es auch sehr gut – bereits ein Drittel des Umsatzes kommt wie gesagt aus dieser Region. Die Frage ist jetzt, ob wir uns darauf konzentrieren, schwarze Zahlen zu schreiben, oder ob wir noch in andere Märkte wie Frankreich, Spanien oder Skandinavien expandieren. Und ich glaube, dass es in Europa nicht genug Platz für viele Plattformen wie unsere gibt.

Wie soll Bux in Zukunft aussehen?
Unsere Community wird immer größer und aktiver. Und ich glaube, dass es Potenzial für eine Finanz-Community für junge Leute gibt. Wir wollen jetzt Bux in Europa etablieren. Danach könnte es sein, dass wir etwa Produkte im Bereich Vorsorge oder Asset-Management für junge Leute einführen – wieder simpel und leicht verständlich.

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