Perspektiven und Änderungsvorschläge für besseres Gründen – Teil 1

Ein Streifzug durch die Gründerszene Österreichs zeigt: Die GmbH ist „tot“, oder weniger pathetisch gesprochen: Es gibt Reformbedarf. Wir trugen Perspektiven und Änderungsvorschläge für besseres Gründen zusammen. In diesem ersten Teil kommen Heinrich Prokop und Marloes Voermans vom niederländischen Fonds Clever Clover zu Wort. Sie sind international in einige Start-ups investiert, darunter auch österreichische. 

Eine niederländische BV (Anm.: das Pendant zur GmbH) ist in 24 Stunden gegründet. Bereits nach zwei Tagen ist man als Unternehmen sichtbar – wer besitzt wie viele Anteile etc. –; in Österreich dauert die Aufnahme ins Handelsregister einen Monat! In den Niederlanden braucht man auch kein Stammkapital, und trotzdem haben wir hier kaum Probleme mit Scheinfirmen und Betrug.“ Heinrich Prokop ist österreichischer Unternehmer mit dem Familienunternehmen Gutschermühle in Traismauer bei Krems, das Müsliprodukte herstellt. Seit rund vier Jahren ist er außerdem auf der Seite der Start-ups aktiv, als Fundmanager von Clever Clover, einem Risikokapitalfonds mit Sitz in Amsterdam. Geschäftlich an seiner Seite ist Loes Voermans. Sie hat Prokop, der Jurymitglied bei der Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ von Puls 4 war, unterstützt und Erfahrungen in Österreichs Gründerszene gesammelt.

„Ein Monat, wissen Sie, wie lange das in der Welt der Start-ups ist? Wenn eine Idee geboren wird, muss sie so schnell wie möglich in eine Unternehmensgründung fließen; wenn es mehrere Monate dauert, bis das zustande kommt, kann es leicht sein, dass jemand anderer schneller ist. Dabei ist die österreichische Start-up-Szene sehr jung und hat sehr viel Potenzial – man könnte viel von Modellen anderer Länder lernen“, so Voermans. Den „New Deal“, das unlängst beschlossene Start-up-Paket der Regierung, sehen die beiden durchwegs positiv, haben aber ebenso Verbesserungsvorschläge. „Es sollte erlaubt sein, Gewinne und Verluste, die man bei Investitionen in Start- ups macht, über einen bestimmten Zeitraum zu kompensieren. In England und den Niederlanden ist das Usus – Verluste aus Start-up-Investitionen können mit anderen Einkommensquellen gegenverrechnet werden“, schlägt Prokop vor. Clever Clover hat die Niederlande aufgrund des unbürokratischen Zugangs und der dortigen Steuervorteile gewählt. Österreich hingegen ist nicht besonders attraktiv für ausländische Investoren, wie die beiden beschreiben.

„Wenn wir in Österreich Geld in Start-ups investieren wollen, muss Clever Clover in Österreich notariell beglaubigt sein“, beschreibt Prokop. „Hier werden Start- ups fast wie Corporates behandelt“, sagt Loes Voermans, „dabei sollten sie einfach loslegen können und nicht so viel Ressourcen für all diese bürokratischen Dinge aufwenden müssen. Hans Peter Haselsteiner und ich haben in der letzten Show in Flying Tent investiert. Im Oktober war der Handschlag, im März floss erst das Geld und das Start-up konnte dann erst loslegen. Dieses ganze Rundherum mit Anwälten und Notaren ist ganz sicher nicht werterhöhend“, setzt Prokop fort. „Sobald Verträge unterschrieben sind, fließt das Geld, und da reden wir in den Niederlanden von ein, zwei Wochen“, spricht Voermans aus Erfahrung.

Seit Oktober 2010 muss das Stammkapital einer BV mindestens 0.01 € sein, übrigens ist das auch bei der Limited der Fall, ein symbolisches Pfund reicht als Stammkapital. In Österreich ist man mit 35.000 € Stammkapital hingegen eher saftig unterwegs. „Du hast junge Menschen mit einer guten Idee, die haben aber einfach nicht Tausende von Euros“, so die Niederländerin weiter, die diese Bedingung neben der Bürokratie als weitere Hürde sieht.

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