Neuauflage einer Kunstmesse in Sankt Marx

Die erste Ausgabe der neu konzipierten Kunstmesse viennacontemporary wird von allen Seiten begeistert angenommen. Mit dem Debüt am Mittwoch Abend eröffnete das niveauvolle Programm der 99 Galerien aus 25 Ländern.

Die Transformation ist geglückt. Bis 2014 organisierte das Team rund um den russischen Messebesitzer Dmitry Aksenov noch die Reed-Marke “Viennafair“ im Messegelände beim Prater. Mangelnde Planungssicherheit bzw. Flexibilität bei der Terminfindung sowie unterschiedliche Vorstellungen rund um favorisierte Besuchergruppen, sollen die Gründe für eine Neuorientierung gewesen sein. Umso besser, denn nun hat Wien zwei große, internationale Messen für Gegenwartskunst.

Ein prominenter Vertreter unter den österreichischen Top-Galeristen ist Philipp Konzett. Seine Galerie ist seit 30 Jahren auf Arbeiten des Wiener Aktionismus der 60er Jahre spezialisiert. “Ich verkaufe auf Messen eher wenig weil ich sehr hochwertige und teure Werke zeige. Hier geht es vor allem darum, mit speziellen Sammlern und Kuratoren in Kontakt zu kommen. Der Verkauf ergibt sich eher im Nachhinein und führt meistens zu längerfristigen Zusammenarbeiten”, erzählt er. In die ehemalige Rinderhalle Sankt Marx hat er unter anderem zwei Bilder von Otto Muehl mitgebracht, die 450.000 € und 700.000 € kosten. “Natürlich erwarte ich mir schon bei der Messe etwas zu verkaufen aber ich bin realistisch. Bei einer Preisspanne von 120.000 € bis 700.000 € ist es unwahrscheinlicher, dass jemand kommt und bei Gefallen sofort kauft”, sagt Philipp Konzett, der generell zu 80 Prozent mit ausländischen Interessenten handelt.

Der neue Messe-Rahmen, die 2006 sanierte und 20.000 Quadratmeter große Marx Halle, wirkt imposant, großzügig und schafft eine einzigartige Atmosphäre. Die 99 Galerien kommen zu je einem Drittel aus Österreich, aus Zentraleuropa und aus dem Rest der Welt. Zudem ist der aus alten Tagen gewohnte – und der Viennafair geschuldete –  Schwerpunkt auf CEE zu erkennen. Viele Galerien präsentieren ein junges Programm mit Preisen unter 15.000 €, das auf Messen gerne gekauft wird. “Es gibt ein sehr interessiertes Publikum in Wien, das sich eher nicht hochpreisig engagiert. Ich denke auch, dass der österreichische und deutsche Kunstmarkt ein familiäres Verhältnis miteinander pflegen. Es kommen sehr viele deutsche Besucher hierher und auch wir bringen einen Teil der Sammler mit nach Wien”, sagt Michael Schultz von der gleichnamigen Galerie aus Berlin. Er beklagt, dass man als Galerist heute vorwiegend auf Messen verkauft. “Das ist ein immenses Investment. Wir geben im Jahr für acht Messeveranstaltungen insgesamt fast eine Million Euro nur für Transportkosten, Messekosten und Versicherungen aus”, erzählt er. In seinem Messe-Bereich liegt eine Liste mit Preisen auf, die jedoch verhandelbar sind. “Das ist das schlimmste an unserem Beruf, aber so ist der Kunstmarkt eben und wir müssen da mitmachen”, erläutert der deutsche Galerist.

Anastasia Blokhina ist extra aus Vorderasien angereist und zeigt lokale Kunst aus Aserbaidschan. Die von ihr vertretene YAY Galerie ist Teil einer gemeinnützigen Vereinigung, die sich von Baku ausgehend für künstlerische Bildung und Kunstförderung engagiert. “Wir sind hier vertreten, weil die viennacontemporary dafür bekannt ist viele Sammler aus Russland und Osteuropa anzuziehen. Neben guter Sichtbarkeit erwarten wir uns hier natürlich auch gute Geschäfte, sowie interessante Kontakte zu Sammlern und Kuratoren aus diesem Teil der Welt”, beschreibt sie. Die ausgestellten Skulpturen der jungen, aber bereits etablierten Künstler Rashad Alakbarov und Farid Rasulov sind für unter 20.000 € zu haben.

Das internationale Umfeld der neu aufgesetzten Kunstmesse ist auch für Deniz Pekerman, Direktor der Galerie „Nächst St. Stephan“ von Galeristin Rosemarie Schwarzwälder, ein Grund hier vertreten zu sein. “Ein wichtiger Teil unserer Kundschaft kommt aus Deutschland, der Schweiz, den USA und neuerdings auch aus China. Das ist ein neuer Markt, der sich gerade entwickelt”, betont er. Gemeinsam mit anderen, etablierten Wiener Galerien arbeitet “Nächst St. Stephan” laufend daran den Standort Wien zu stärken. “Mit weiteren Veranstaltungen wie Curated By, der Vienna Art Week im November oder dem Vienna Gallery Weekend vergangenen Mai, wollen wir gemeinsam internationales Publikum erreichen und nach Wien bringen“, erzählt der Kunstkenner. Ein Anspruch, dem die viennacontemporary jedenfalls schon am Eröffnungsabend gerecht wurde. Bis 27. September werden noch viele kunstinteressierte Besucher in Sankt Marx erwartet.

Fotos: viennacontemporary/Aleksander Murashkin
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