„2nd RMB Internationalisation Seminar“ der Swiss-Chinese Chamber of Commerce

Bei der zweiten Auflage des „RMB Internationalisation Seminar“ der Swiss-Chinese Chamber of Commerce (SCCC) drehte sich alles um die Internationalisierung der chinesischen Währung. Dabei wird klar: Die Entwicklung wird sich beschleunigen – und ein gigantisches Infrastrukturprojekt  dabei eine tragende Rolle spielen.

Die Antwort auf die letzte Frage des Nachmittags beantworteten dann alle Speaker einstimmig mit „Ja“. Die hatte nämlich gelautet, ob sich in den letzten zwölf Monaten denn hinsichtlich der Internationalisierung der RMB etwas getan hätte. Genau vor zwölf Monaten hatte die Schweizerisch-Chinesische Handelskammer nämlich erstmals zum „RMB Internationalisation Seminar“ eingeladen. Und auch 2017, bei der zweiten Auflage, war das Interesse an der weltweit zunehmend verwendeten chinesischen Währung Renminbi gross.

Willkommensworte des SCCC-Präsidenten Felix Sutter
Willkommensworte des SCCC-Präsidenten Felix Sutter

Das zeigte sich neben den zahlreichen Gästen auch an der Qualität der Speaker: Neben SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maechler traten auch Livia Leu, Botschafterin im Staatssekretariat für Wirtschaft SECO und Guan Tao vom China Finance 40 Forum auf die Bühne. Zudem sprachen mit Arianit Buzhala, Head of Tresury bei der China Construction Bank Zurich; John Garvey, Global Financial Services Leader bei PwC; Sven Juergensen, Co-Head Corporate Treasury Solutions von HSBC; sowie Chris Landis, CEO SIX Swiss Exchange, weitere hochkarätige Speaker.

Die Willkommensworte übernahmen SCCC-Präsident Felix Sutter und der chinesischen Generalkonsulin in der Schweiz und Liechtenstein Gao Yanping. Letztere hatte News mitgebracht: Neben der bereits bestehenden Niederlassung der China Construction Bank würde auch die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) 2017 eine Filiale in Zürich eröffnen.

Anschliessend ging es mit den Referaten los. Dabei war die Nachricht an das Publikum relativ eindeutig: Die Relevanz des RMB am internationalen Währungsmarkt wird weiter steigen. Nach der Aufnahme des RMB in den Währungskorb mit Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds, den Guan Tao als „Meilenstein“ bezeichnete, wäre der Weg der Globlaliserung des RMB geebnet.

Diesbezüglich wies Sven Juergensen, Co-Head Corporate Treasury Solutions bei HSBC auf eine interessante Dynamik hin: Mittlerweile macht der RMB bereits rund 11 Prozent des Währungskorbes aus. Dieser Anteil wurde fast vollständig von dem des Euro abgeschöpft, dessen Anteil im IWF-Korb durch die Neugewichtung von 37 auf 30 Prozent reduziert wurde. Die restlichen vier Prozent „verloren“ das britische Pfund und der japanische Yen. Ob das ein klares Symbol für die zukünftige Machtverschiebung in der Weltwirtschaft ist, muss aber jeder selbst beantworten.

Andrea Maechler (SNB) während Ihres Referats „RMB on its way to become a reservce currency"
Andrea Maechler (SNB) während Ihres Referats „RMB on its way to become a reservce currency“

Für Andrea Maechler von der SNB ist ebenfalls eindeutig, dass Chinas Währung auch in der Schweiz weiterhin an Bedeutung gewinnen wird. Die Schweizer Direktinvestitionen in China hätten sich seit 2010 auf 15 Milliarden CHF verdoppelt. Zudem investiert die SNB bereits seit 2015 in die chinesische Währung – und wird wohl auch diese Position wohl weiter ausbauen.

In Sachen „Hub-Ranking“ hat Zürich, das seit Anfang 2016 durch eine Niederlassung der China Construction Bank offiziell als RMB-Clearing-Hub anerkannt ist, jedoch noch Aufholpotenzial. John Garvey sieht Londons Ausgangslage weiterhin am positivsten und beschreibt die britische Hauptstadt als „Triple Threat“. London überholte  Singapur 2016 als größter RMB-Clearing-Hub ausserhalb Chinas. Die anderen europäischen Zentren – Luxemburg, Frankfurt, Paris, Moskau und eben Zürich – würden die britische Hauptstadt aufgrund des Brexits laut Garvey jedenfalls nicht so schnell einholen.

RMB Internationalization – Road to 2020
Gäste beim „RMB internationalisation seminar“

Bezüglich nächster konkreter Schritte in der Internationalisierung des RMB äusserte Guan Tao eine interessante Prognose: China würde sich in Richtung eines vollständig marktbasierten Währungskurssystems bewegen – in rund „drei bis fünf Jahren“. Inwiefern diese Voraussage zutreffend ist, kann aus heutiger Sicht nur schwer beurteilt werden. Vor allem, da sich China selbst bedeckt hält: Der IWF hatte der Regierung nahegelegt, diesen Schritt bis Ende 2018 umzusetzen, Peking liess sich jedoch nicht auf einen Zeitplan festnageln. Andrea Maechler stimmte Tao jedenfalls insofern zu, als China – inklusive der Notenbank People’s Bank of China – bereits Schritte in Richtung einer marktbasierten Geld- und Währungspolitik unternommen hätte.

Ein omnipräsentes Thema war auch die Belt and Road Initiative, die China per Schiene und Schiff mit Europa, Afrika und Asien verbinden soll. Die chinesische Regierung investiert in das massive Infrastrukturprojekt, das kürzlich durch Indiens Widerstand einen kleinen Dämpfer erhielt, rund 900 Milliarden US-$. Und: Je mehr internationale Projekte der Belt and Road-Initiative umgesetzt werden, desto stärker wird wohl auch der RMB internationalisiert.

Es gab also genug „Food for Thought“ am Event, das die Swiss-Chinese Chamber of Commerce (SCCC) gemeinsam mit Forbes, UBS, SIX, PwC, Air China und Lindt veranstaltate. Der Gesprächsstoff reichte auch noch für den Apéro Riche, wo bei Drinks und Snacks über China, die Schweiz – und vieles andere – diskutiert wurde.

RMB Internationalization – Road to 2020 is an Event of the Swiss-Chinese Chamber of Commerce www.sccc.ch Foto: © 2017 by partners in GmbH · Stefan Weiss · www.partnersingmbh.ch

Und vermutlich wird die Antwort auf die Frage, ob sich in den letzten zwölf Monaten in der Globalisierung des RMB denn etwas getan hätte, auch beim dritten „RMB Internationalisation Seminar“ der SCCC am 19. Juni 2018 mit „Ja“ beantwortet werden.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie unter: http://www.rmb.hsbc.com/

Das Doppelinterview mit SCCC-Präsident Felix Sutter und dem CEO der China Construction Bank Zurich, Weiyun Gong, aus unserer April-Ausgabe finden Sie unter diesem Link: http://forbes.at/zuercher-hub/

Die Bilder des Nachmittags stammen von partnersingmbh.ch:

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