Laura Karasinski im Interview: Es fühlt sich nicht an wie Arbeit

Dieses Interview erschien in unserer „30 unter 30“-Ausgabe

Seit zehn Jahren gestaltet Laura Karasinski so ziemlich alles, was man gestalten kann. Zu ihren Kunden zählen etwa Yves Saint Laurent und Red Bull, kürzlich gestaltete sie das Wiener Restaurant Motto. Mit Forbes Austria sprach sie über Inspiration, Twinni-Eis und ihre Homebase.

Was schreiben Sie in Formularen ins Feld „Beruf“?
Selbstständig. Wenn Leute mich fragen, was ich beruflich mache, sage ich meistens Gestaltung. Da gehört alles dazu: Innendesign, Fotos, Logos etc.

Wenn Sie eine Branche auswählen müssten: Was macht Ihnen am meisten Spaß?
Schwierig. Man kann das auch schwer trennen. Wenn ich ein Logo gestalte, hängt da so viel damit zusammen. Ich kann das wirklich nicht sagen.

Was leitet Sie bei Entscheidungen in Ihrer Arbeit? Instinkt, Erfahrung?
Großteils ist es Instinkt. Ich treffe Kunden, rede mit ihnen, versuche, ein Gefühl zu bekommen. Natürlich ist das Hirn dabei und mittlerweile auch Erfahrung, aber prinzipiell entscheidet der Bauch. Meistens habe ich beim Erstgespräch schon ein Bild im Kopf, wie ein Projekt aussehen könnte. Ich weiß eigentlich nie, wo das herkommt.

Wo holen Sie sich Inspiration?
Überall. Situationen, Wände, Menschen, Reisen. Alles kann inspirieren. Alles, was man sieht, sagt, hört, anfasst.

Sind Sie ein Workaholic?
Manche Menschen sagen das. Ich finde aber nicht, dass das stimmt. Das klingt wie eine Krankheit, aber das ist es ja nicht. Es fühlt sich nicht an wie Arbeit. Es ist jeden Tag wie Weihnachten, wenn Leute zu mir kommen und wir zusammenarbeiten.

Wie viele Wochenstunden arbeiten Sie?
Vorgestern waren es 17 Stunden. Am Tag davor dafür nur fünf. Es kommt immer darauf an. Teilweise arbeite ich um 7 Uhr in der Früh, manchmal um 19 Uhr, dann wieder ein paar Stunden gar nicht. Ich versuche aber mittlerweile, um 19 Uhr Schluss zu machen. Ich habe gelernt, dass das einfach für die Gesundheit wichtig ist. Je nach Arbeitslast geht es mal ein bisschen länger, mal ein bisschen kürzer, im besten Fall ist aber um 19 Uhr Schluss. Einfach auch, um nebenbei auch noch Dinge in der Freizeit machen zu können.

Wird man als junge Frau manchmal nicht ernst genommen?
Früher war das schon ein Thema, oder auch im Ausland passiert das. Ich war einmal mit einer illustren Runde von fünf älteren Herren im Ausland unterwegs. Wir waren zu Besuch bei einem Großkunden und der dachte, dass ich die Tochter eines der Herren wäre. Das ist aber besser geworden. Ich kann mich mittlerweile eigentlich nicht mehr beklagen.

Wie geht man mit solchen Vorfällen um?
Lachen.

War ein Umzug ins Ausland jemals interessant?
Ich bin jetzt sehr glücklich in Wien. Ich wollte früher mal nach New York ziehen, nun ist Wien meine Homebase geworden. Manchmal muss ich dann mal kurz woanders hin. Aber Wien ist – gerade jetzt – ein extrem guter Boden, um coole Dinge zu machen. Früher gab es immer so ein Gegeneinander. Aber jetzt arbeiten die Leute wirklich positiv zusammen, um die Stadt zu prägen.

Welche Änderung würden Sie sich in Österreich wünschen?
Die Sozialversicherungsanstalt (SVA, Anm.) müsste angepasst werden. Ich würde die SVA für gewisse Unternehmen, wie ich und meine Kollegen sie führen, optimieren. Einfach, damit die Abgaben nicht so eine Belastung darstellen.

Die wichtigste Frage zum Schluss: Grünes oder oranges Twinni-Eis?
Orange natürlich.

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