Start-up-Hype in Österreich: Romantik statt harter Arbeit?

Der Hype um österreichische Start-ups lässt das Gründerleben allzu romantisch wirken. Das ist falsch – und gefährlich.

Start-ups liegen im Trend. Das ist nichts Neues. Nun ist es aber der Natur von Trends geschuldet, dass sie vergänglich sind. Und spätestens, wenn Politik und große Konzerne etwas cool finden, ist es das meist schon nicht mehr. Aber: Sind Start-ups angesichts ihrer Masse wirklich schon wieder „out“? Manche Entwicklungen würden darauf schließen lassen: Man nehme die Neupositionierung des Wiener Gründerfestivals Pioneers. Dort soll die Qualität der teilnehmenden Start-ups mithilfe der Einführung eines Bewerbungsprozesses sichergestellt werden.

Start-ups können dann also keine Tickets mehr kaufen. Das „Problem“ eines zu großen Andrangs an Jungunternehmen wäre vor einigen Jahren noch Luxus gewesen. Damals wurden junge Menschen, die es wagten, ein Unternehmen zu gründen, noch belächelt. Das war aber vor dem neudeutschen Begriff Start-up, vor der Gründerlandstrategie von Staatssekretär Mahrer, vor den Exits von Runtastic und Shpock. Es scheint heutzutage, als wäre das Gründen eine Marshmallow-Welt voller Erfolge.

Auch wenn’s nicht klappt: Scheitern ist ja keine Schande mehr. Nun will jeder sein eigener Chef sein, Gestaltungsspielraum haben. Böse Zungen sind geneigt, zu behaupten, für BWL-Studenten sei ein Start-up heutzutage, was früher der Job im Investmentbanking war: der Heilige Gral. Gegen den Wunsch, ein Unternehmen zu gründen, ist per se nichts einzuwenden – vor allem, wenn junge Menschen ihr Wissen anwenden, um Produkte anzubieten, die am Markt nicht oder nur unzureichend vorhanden sind; oder Sektoren aufmischen, die sich schlicht weigern, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Hust, Banken, hust.

Einige Entwicklungen rund um die Start-up-Szene bereiten dennoch Grund zur Sorge. Die völlig überzogenen Bewertungen etwa – siehe das US-amerikanische Taxiunternehmen Uber mit 70 Milliarden US-$. Zudem scheint es mittlerweile, als wäre das Unternehmertum an Romantik nicht zu überbieten: Nach ein paar Finanzierungsrunden jeden Tag ein paar Stunden arbeiten und danach im Büro mit Mitarbeitern ein Bier trinken. Eigenfinanzierung? Existenzängste? Hohe Erwartungen der Geldgeber? Fehlanzeige. Doch die Erfolgsgeschichten von Shpock und Runtastic wuchsen über viele Jahre.

Letztendlich basieren sie nämlich wie alle unternehmerischen Erfolge auf einem simplen Konzept: harte Arbeit. Das klingt nicht sexy, ist aber essenziell, um als Unternehmer zu überleben. Gepaart mit einer guten Idee und dem richtigen Timing stehen die Erfolgschancen gut. Die Tatsache, dass 90 Prozent aller Start-ups scheitern, zeigt aber, dass es Selbstläufer nicht gibt. Im Diskurs kommen diese Aspekte zu kurz. Gründen birgt nun mal finanzielle und rechtliche Risiken.

Auch wenn es den Leser vielleicht verwirrt: Ich bin ein großer Start-up-Fan. Der Schein aber, jede vage Idee müsse umgesetzt werden, jeder junge Mensch seinen Job kündigen und vom ersten Tag an alles auf eine Karte setzen, ist falsch und gefährlich. Neben dem Brotjob einige Jahre an einer Idee zu feilen, ist auch ein gangbarer Weg – wenn auch vielleicht etwas weniger verwegen.

Wir können aber beruhigt sein: Der große Hype um Start-ups wird sich von selbst legen. Gut so. Denn wenn’s etwas weniger romantisch zugeht, bleibt wieder Zeit zum Arbeiten. Und das kann ja auch romantisch sein.

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