Gründen in Österreich – zahlt sich das aus?

Ein Unternehmer hat eine Idee und will loslegen. Er fragt sich: Wo kann mein Business am besten, am schnellsten wachsen? Wo finde ich dafür die besten Rahmenbedingungen, also gute Mitarbeiter, ausreichend Risikokapital und strategische Partner?

Oftmals führt diese Checklist dazu, Österreich für das eigene Fortkommen zu verlassen.

Denn die Rahmenbedingungen hier, egal ob es Bürokratie oder Zugang zu Risikokapital sind, schneiden im internationalen Vergleich sehr schlecht ab. Verständlich, dass man sich als euphorischer Gründer davon nicht bremsen lassen möchte. Unlängst stellte die Regierung einen „New Deal“ vor. Die Maßnahmen erleichtern Gründern vieles. Das Paket wurde fast durchwegs positiv angenommen. Mit dem „One Stop Shop“, also der Möglichkeit, online verschiedenste bürokratische Schritte der
Gründung konzentriert zu erledigen, wurde die GmbH nur in einem Kritikpunkt in Angriff genommen.

Es bleiben die 35.000 € Stammkapital und die Wege zum Notar, wenn es an Kapitalerhöhung oder Beteiligungsvorgänge geht. Viele können den Aufwand für erlangte Sicherheiten nicht gutheißen. Vor allem, wenn sie es mit einem Produkt zu tun haben, das auf einem anderen Markt sogar besser gelauncht oder entwickelt werden kann – und das betrifft Start-ups häufig. Und wenn sie schnell wachsen wollen: Risikokapital ist in Österreich Mangelware. Was machen sie also? Sie wandern ganz ab oder errichten Konstrukte mit österreichischer und ausländischer Organisationsform. Vielleicht, weil es viele vor ihnen ebenfalls in fortgeschrittenere Ökosysteme wie die USA, England oder Deutschland gezogen hat, die dann Inc.s, Limiteds und deutsche GmbHs gegründet haben – ein Nachteil für Österreich als Volkswirtschaft.

Kreativität und Innovation leben von Wissen und Austausch, je mehr davon da ist, umso besser. Natürlich tut es auch weh, wenn einer der gänzlich Abgewanderten groß und erfolgreich wird, Arbeitsplätze schafft, High Potentials mitzieht, viel Umsatz macht – Dinge, die man hier vielleicht missen würde (Beispiel N26 in Berlin) – und dann nie wieder zurückkommt. Bei jenen, die im Ausland in Kombination mit einer GmbH oder einer Zweigniederlassung gründen, was viele betrifft, können die Folgen noch weiter reichen: Wie sieht es mit den Abgaben aus? Nach welchem Rechtssystem sind Mitarbeiter jener Gründer beschäftigt und wohin fließen Steuern auf Gewinne? Sobald jemand mehr als die Hälfte eines Jahres in einem dienstnehmerartigen Verhältnis in Österreich tätig ist, muss der Dienstgeber nach unserem Arbeitsrecht Abgaben leisten und beschäftigen. Sicher könnte man betrügen, rein rechtlich gesehen ist diese Angelegenheit jedoch definiert. Nun sind Abgaben, etwa die Gewinnsteuer, in Österreich im internationalen Vergleich hoch. Das soll so manchen Unternehmer – auch im Start-up-Bereich – dazu veranlassen, über Software- oder Markenrechte Gewinne einer GmbH in zugehörige ausländische und weniger steuerintensive Organisationen zu verschieben. Mitunter genießen sie gleichzeitig österreichische Förderungen.

Selbstredend geht mit solchen Praktiken eine Komplexität einher, die erst von einem dem Unternehmer zugänglichen Netzwerk bedient werden können muss – ergo ist das nicht in jedem Fall von Bedeutung. Österreichs Sicherheiten und überdurchschnittliche Lebensqualität leben davon, dass Menschen dieses System mit der Versteuerung ihrer Leistung nähren. Am Ende bleiben also zwei Fragen: Welchen persönlichen Wert hat dieser hohe Standard für einen Unternehmer? Und wann wird endlich die aufgeblasene Verwaltung reformiert?

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