Gleiche Arbeit – unterschiedlicher Lohn

Gleiche Arbeit, unterschiedlicher Lohn – und noch immer weniger Frauen in Führungspositionen.
Und dennoch: Ein wenig tut sich schon.

Im Schnitt ein Viertel verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen, so eine aktuelle Umfrage der Businessplattform Xing. Und laut der Beratung EY überwiegen die Männer mit 86 Prozent in den Chefetagen des österreichischen Mittelstandes. Insgesamt 900 Unternehmen wurden für diese Studie befragt. Unternehmensverantwortliche seien sich zwar darüber bewusst, dass gemischte Führungsteams für den Unternehmenserfolg wichtig sind, in der Einstellungs- oder gar Beförderungspolitik spiegelt sich diese Erkenntnis allerdings beschränkt bis gar nicht wider.

Da helfen auch Beteuerungen von mehr als der Hälfte dieser 900 Befragen nichts, die da lauten, dass ein größerer Anteil von Frauen in Führungspositionen den Erfolg von Unternehmen tendenziell erhöhen würde. Und da grüßt es wieder einmal: das Murmeltier – und zwar täglich und das auch noch seit vielen, vielen Jahren. Gefolgt von den immer gleichen Argumenten, die einen geringeren Anteil an Frauen in Führungspositionen rechtfertigen sollen. Nummer eins, quasi der Klassiker: Es gibt zu wenige geeignete weibliche Führungskräfte. In einem Land, in dem seit Jahren mehr Frauen als Männer ein Studium abschließen und das im Durchschnitt auch mit besseren Noten, bleiben folgende Fragen evident: Wo sind diese Frauen? Und wie intensiv wird nach ihnen gesucht?

Möglicherweise wäre eine Reflextionsschleife zur eigenen Unternehmenskultur sinnvoll. Stellte oben genannte Xing-Umfrage nämlich fest, dass Frauen, was die Wahl des Jobs betrifft, mehr “picky”, also wählerischer sind. Während zwischen Frauen und Männern Einigkeit darüber herrscht, dass Gehalt auf der Suche nach einem neuen Job ein entscheidendes Kriterium ist (Frauen: 36 Prozent; Männer: 35 Prozent), machen sich Frauen deutlich mehr Gedanken über weiche Faktoren am Job: 86 Prozent wünschen sich eine gute Arbeitsatmosphäre, nur 68 Prozent der Männer tun das. Fast ebenso wichtig ist Frauen das Verhalten von Vorgesetzten: Bei 71 Prozent (Männer: 50 Prozent) entscheidet dieser Faktor über Zu- oder Absage. Der nachhaltige Erfolg eines Unternehmen wird immer mehr am Entwicklungspotenzial seiner Kultur hängen.

Laut EY setzt sich immerhin jedes vierte mittelständische Unternehmen aktiv für die Gleichberechtigung im eigenen Betrieb ein und setzt Initiativen zur Frauenförderung und das auch in Sachen aktiver Verringerung von Gehaltsunterschieden in gleichen Positionen. Weiter so, kann man da nur sagen! Und jenen, die die Wiederkehr des Murmeltiers an bestimmten Tagen des Jahres fürchten, sei hiermit mitgeteilt: Solange es keine echte Gleichstellung von Frauen gibt, wird es täglich jemanden geben, der sie daran erinnern wird.

print