Gastkommentar von Laura Karasinski:
DO IT FOR … LOVE

Hinweis: Dieser Artikel wurde von Laura Karasinski (Gründerin Atelier Karasinski) als Gastkommentar in unserer aktuellen Ausgabe veröffentlicht. 

Design ist mein Beruf. Oder auch: meine Berufung.

Bei Talks, die ich in letzter Zeit geben durfte, wurde mir oft die Frage gestellt, woher ich meine Ambition dafür nehme. Meine Antwort darauf ist simpel: Liebe. Um es mit Janis Joplins Worten zu sagen: „After you’ve reached a certain level of talent – and quite a few have that talent – the deciding factor is ambition, or, as I see it, how much you really need, need to be loved and to be proud of yourself. And I guess that’s what ambition is. It’s not all a depraved quest for position or money. Maybe it’s for love. Lots of love.“

Jeder Künstler, alle Designer und Kreativen, die ich im Laufe meines Lebens kennenlernen durfte, haben eines gemeinsam: das Streben nach Liebe durch „Arbeit“. Die Liebe für Projekte und Ideen, die Liebe zu Menschen, die Liebe dazu, Menschen glücklich zu machen und Probleme zu lösen. Materielles und Ruf sind dabei nebensächlich, das ergibt sich, wenn man wahrhaftig Spaß daran hat, was man tut. Ich habe das Wort Arbeit hier bewusst in Anführungsstriche gesetzt.

Denn in meinem Fall gibt es zwischen „Arbeit“ und „Leben“ keine Grenze. Alles vereint sich zum universellen Sein. Ich arbeite nicht nur für meine Kunden, sondern auch täglich an meinem eigenen Wachstum. Alles, was ich tue, sehe, anfasse, schmecke, rieche, höre und träume, formt und begleitet mein Schaffen, auch nachdem ich meinen tatsächlichen Arbeitsplatz verlasse. Diese Kreativität und der dazugehörige ungezwungene Fluss brauchen Freiraum, und für den ist ein herkömmlicher Nine-to-Five-Job das Todesurteil. Ich habe mich dazu entschlossen, meinen Arbeits- und Lebensraum zu vereinen und ein Atelier zu schaffen, das mit mir wächst.

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Laura Karasinski war gemeinsam mit Martin Ho und Tara Shirvani auf dem Cover unserer „30 unter 30“-Ausgabe zu sehen.
Das Interview aus der April-Ausgabe findest du hier.

Die Frage, welche mir in diesem Zusammenhang oft gestellt wird, ist, wie ich es schaffe, mein Hirn nach der Arbeit auszuschalten und zu entspannen. Die Antwort darauf lautet: Gar nicht! Denn ich muss nicht. Und ich will nicht. Warum sollte man zwanghaft etwas ausschalten wollen, wenn es Spaß macht und erfüllt?

Die meisten jungen Künstlerinnen und Künstler scheinen das Ziel zu sehen, bekannt und erfolgreich zu sein, aber vergessen oft, dass es bis dahin einen Berg zu erklimmen gilt. Und den gibt es immer. Wandern muss also Spaß machen, bevor man kraftlos an der Bergspitze ankommt. Wie Designer Tobias van Schneider in seinem Artikel „fame versus mastery“ in Anlehnung an Sisyphos geschrieben hat: „The act of climbing a mountain is why we humans climb mountains. Climbing mountains is the challenge we seek, and the very act is what’s so joyful about it. In contrary, staying on top of the mountain only to protect your position is exhausting and not fulfilling. Essentially, being on top of the mountain or the wish to simply shortcut yourself to the top is what seeking for fame really is. It’s the wish for skipping the hard work that makes no sense. Skipping the act of climbing the mountain, the most joyful part of it all.“

Im Laufe meiner Karriere hat es mir enorm geholfen, auf mein Bauchgefühl zu vertrauen. Unser Körper hat über Jahrhunderte gelernt, mit uns zu kommunizieren. Je eher wir achtsam und einfühlsam mit unserem Selbst und unserem Körper umgehen, desto eher lernen wir zu verstehen, dass alles, was wir von uns geben und erleben, seinen Zweck in der Welt erfüllt. Wenn wir uns selbst lieben, können wir auch unsere Kunden besser verstehen und lieben lernen. And that’s what ambition is…

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