Forbes Lecture an der WU Wien: Premiere mit Bitcoin, Makrelen & Co.

Rund 150 Studenten folgten der Einladung zur Forbes Lecture „The End of Money?“. Diskutiert wurde neben dem ökonomischen Design von Bitcoin & Co. vor allem auch die Auswirkungen auf das traditionelle Geldsystem und nicht das Ende, sondern vielmehr die Zukunft des Geldes.

„How are you guys?“ fragte Charlie Shrem fröhlich in die Runde, als er sah, wie viele Zuhörer sich im Festsaal der Wirtschaftsuniversität Wien versammelt hatten. Shrem hielt seine Keynote per Video – und da die Forbes Lecture in Wien am Vormittag stattfand, war es für den US-Amerikaner zu disem Zeitpunkt bereits spätnachts. Das von Forbes in Zusammenarbeit mit der WU Executive Academy und ING-DiBa veranstaltete Format feierte letzten Mittwoch Uraufführung – und zwar eine äußerst gelungene.

„Mackerel economics“

Nicht unbeteiligt daran war der schon erwähnte Keynote-Speaker Charlie Shrem, dem man die späte Stunde inhaltlich keineswegs anmerkte. Shrem sprach eloquent über Währungsgeschichte, spannte einen Bogen von den Anfängen des Geldes bis zu Bitcoin und streifte dabei Themen wie Goldstandard, Bargeld und Notenbanken. Wenig überraschend ist der Bitcoin-Pionier – Shrem hatte mit der Bitcoin-Exchange-Plattform BitInstant eines der ersten erfolgreichen Start-ups in der Szene gegründet – kein allzu großer Freund von traditionellen Währungen. „Der US-Dollar war früher mit Gold hinterlegt, heute ist es nur noch der Glauben an die Währung.“

Richtig spannend wurde es dann aber, als Shrem über seine Erfahrungen aus der Prison Economy erzählte (Shrem hatte keine Lizenz für BitInstant und verbrachte daher ein Jahr hinter Gittern). „Im Gefängnis konnte man alles kaufen: Haarschnitte, Proteinshakes, selbst Dinge, die es im offiziellen Gefängnisshop nicht gab. Die vorrangige Währung waren dabei – Makrelendosen.“ Denn laut Shrem hätten die Fischdosen nicht nur Wert, sondern auch einen Nutzen – und waren in ihrer Menge begrenzt. Shrem bezeichnete seine Beobachtungen grinsend als „mackerel economics“.

Auch von der in ihrer Menge begrenzten Kryptowährung Bitcoin wird oft behauptet, dass sie eine niedrige Inflation habe. Panelistin Demelza Hays, die an der Universität Liechtenstein ihre Doktorarbeit zum Thema „The role of cryptocurrencies in asset management“ verfasst, widersprach dem hingegen: „Die Inflation von Bitcoin beträgt derzeit vier Prozent, 2016 waren es gar acht Prozent. Das ist eine vergleichsweise hohe Rate.“

Guido Schäfer, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, zeigte sich zwar am ökonomischen Aufbau von Bitcoin interessiert. Er äußerte jedoch gleichzeitig die These, dass Regierungen und Notenbanken keine Sekunde zögern würden, gegen Bitcoin vorzugehen, sobald sie sich von der Währung bedroht fühlen. Etwas optimistischer zeigte sich – wenig überraschend – Paul Klanschek, Mitgründer und COO bei Bitpanda, Europas größtem Bitcoin-Broker mit Sitz in Wien: „Es entwickelt sich eine echte Finanzwirtschaft rund um Kryptowährungen.“

Die Diskussion war intensiv, es zeigte sich auch nach der Veranstaltung, dass das Thema Kryptowährungen bei den WU-Studenten ein hochaktuelles ist. Die Bitcoin-Wertschrift über 0,05 Bitcoin, die vom Grazer Start-up Coinfinity gesponsert wurde, konnte Stefan Freund gewinnen. Seine Schätzung, dass 0,05 Bitcoin rund 120€ entsprechen, kam dem realen Gegenwert zum Zeitpunkt der Lecture (121€) am nächsten.

Einen zweiten Preis können Teilnehmer der Lecture indes noch ergattern. Denn Forbes sendet zwei Studenten zum „Under 30 Summit“ in Boston. Das von 1. bis 4. Oktober 2017 stattfindende Event vereint Vertreter der „Forbes 30 under 30“ aus der ganzen Welt für vier Tage in den USA, um über Unternehmertum und die Zukunft der Welt zu diskutieren.

Interessierte können sich mit einem einseitigen Essay bis 31. Juli an redaktion@forbes.at. Das Thema des Wettbewerbs lautet: „This is It: Die größte zukünftige Herausforderung der Menschheit – und eine unternehmerische Lösung für das Problem“.

Die Bilder des Events:

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