Fette Kohle

Kaum ein Trend stellt sich so einheitlich dar wie der zum steigenden Übergewicht. Egal ob USA, Europa oder Asien: Die Menschen werden immer dicker. Das zeigt sich auch an den Märkten, denn sowohl Gesundheits- als auch Diät- und Sportaktien profitieren von den zusätzlichen Kilos der Kunden.

Man kann sich gut vorstellen, wie die Fondsmanager von Janus Capital sich gegenseitig „High Fives“ gaben, als sie das Tickersymbol für ihre neueste ETF-Kreation (Ex­change Traded Fund, passiv gehandelte Anlagefonds) ausdachten: SLIM. Dass das englische Wort für schlank ausgerechnet für einen Fonds verwendet wurde, der vom steigenden globalen Übergewicht profitiert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Abgesehen von dem Tickersymbol und einer leider fehlenden Diversifizierung im Fonds selbst muss man Janus dennoch ein Kompliment machen. Denn nicht nur verstehen Anleger zur Abwechslung mal ein Finanzprodukt – wenn die Leute übergewichtiger werden, vermehrt sich mein Geld –, auch ist das Problem ein hochaktuelles: Weltweit sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund zwei Milliarden Menschen übergewichtig, 600 Millionen gar fettleibig. Und das Problem trifft nicht nur Ältere: 41 Millionen Kinder unter fünf Jahren waren 2014 (die aktuellsten Zahlen der WHO) übergewichtig oder fettleibig.

Laut Weltgesundheitsorganisation sind weltweit rund zwei Milliarden Menschen übergewichtig, 600 Millionen gar fettleibig.

Der Trend beschleunigt sich – seit 1980 hat sich die Zahl Übergewichtiger verdoppelt. Ungewöhnlicherweise ist es weltweit die gleiche Geschichte: Während die Zahlen in Westeuropa und den USA hoch sind, stieg das Übergewicht auch in China deutlich und sogar – wenn auch nur gering – in Staaten wie Nordkorea. Die Frage, die sich stellt: Welche Unternehmen profitieren von der immer schwerer werdenden Menschheit? Ein heißer Tipp sind natürlich Gesundheits­aktien wie Fresenius und Novo Nordisk, die beide ein starkes Geschäft mit Insulin besitzen. Denn höheres Gewicht führt zu mehr Diabetes-Patienten (Diabetes Typ 2 hängt unter anderem vom Lebensstil der Patienten ab). Das führt zu mehr Insulinbedarf, was beim deutschen Hersteller Fresenius oder den Dänen Novo Nordisk die Kassen klingeln lässt. Novo Nordisk hat überhaupt eine breite Produktpalette im Bereich Übergewicht und Diabetes, etwa auch die Pille Saxenda, deren Umsätze sich im ersten Quartal 2017 im Jahresvergleich verdoppelten. Die Aktie der Dänen begab sich in der zweiten Hälfte 2016 zwar auf Talfahrt, klettert seit Jahresbeginn aber wieder und könnte diesen Trend weiter fortsetzen. Neben dem Marktführer haben auch andere Konzerne das Geschäft mit dem Übergewicht für sich entdeckt, etwa der japanische Pharmakonzern Eisai oder Roche aus Basel.

Doch nicht nur Medikamente helfen gegen die zusätzlichen Kilos, auch Bewegung und Ernährung sollen angeblich Wunder wirken. Das zeigt sich natürlich auch an den ­Aktienmärkten. Während sich der Sportartikelhersteller Under Armour derzeit schwertut, hebt Adidas seit geraumer Zeit ab.

In Sachen Ernährung profitiert ­allen voran der US-Diätkonzern Weight Watchers von dem wachsenden Anteil an potenziellen Kunden. Nach Schwierigkeiten mit der Implementierung von Webservices für Kunden präsentierte der Konzern – der vor allem für sein Punktesystem bei der Nahrungseinnahme und US-Talk-Queen Oprah Winfrey, die 15-Prozent-Aktionärin ist, bekannt ist – starke Zahlen. Im Jahresvergleich stieg die Mitgliederzahl um 16 Prozent auf insgesamt 3,6 Millionen, Umsatz (329 Millionen US-$) und Gewinn waren deutlich höher als erwartet. Auch für den Nahrungsersatzmittelhersteller Herbalife läuft es derzeit wie geschmiert: Nach einem starken ersten Quartal erhöhte man den Ausblick für das Gesamtjahr 2017. Herbalife bietet Shakes an, die Mahlzeiten ersetzen und so beim Abnehmen helfen sollen. Testimoni­al und damit Kunden-Motivator ist übrigens Fußballstar Cristiano Ronaldo.

Der Trend zum Übergewicht wird von vielen Experten als größte gesundheitliche Bedrohung der nächsten Jahre gesehen, bietet für schlaue Investoren jedoch Möglichkeiten. Der erwähnte SLIM-ETF ist dafür vermutlich aber nicht die allerbeste Wahl. Die Holdings sind zu wenig diversifiziert, wodurch sich Klumpenrisiken ergeben. Novo Nordisk macht 22 Prozent der Holdings aus; gemeinsam mit den fünf Prozent, die auf den deutschen Konkurrenten Fresenius entfallen, setzt der Fonds fast zu einem Drittel auf zwei Gesundheitsunternehmen, die in sehr ähnlichen Bereichen agieren. Zudem lässt die Performance zu wünschen übrig: Der Fonds bewegt sich seit Lancierung im Juni 2016 vor allem seitwärts. Dass er in der Schweiz und Europa gar nicht angeboten wird, ist also kein Dilemma. Es gibt genügend andere Chancen für Investoren, am wachsenden Kuchen Übergewicht mitzunaschen.

 

Text: Klaus Fiala | klaus.fiala@forbes.at

Illustration: Valentin Berger

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