Bots Hackathon: Facebook weiß, was du im Kühlschrank hast

Am Samstag luden die Organisatoren des ersten „Bots Hackathon“ gemeinsam mit A1 in dessen Headquarter, um eine österreichische Chatbot-Offensive zu starten.

Der 25. Juni war ein sehr sonniger Samstag. Da brauchte es wahrscheinlich eine große Portion Leidenschaft oder Neugier für das Thema Chatbots, um sich in den dunklen Veranstaltungssaal des A1-Bürogebäudes zu setzen und beim Bots Hackathon den ganzen Tag zu programmieren, anstatt ins Freibad oder an den See zu fahren. Doch trotz des guten Wetters fanden sich 20 Teams zu je circa fünf Leuten ein, um Chatbots zu programmieren. Chatbots sind Anwendungen, die die Kommunikation von Menschen mit Maschinen über Messenger und damit über menschliche Sprache ermöglichen. Die Palette reichte von absoluten „Code Gurus“ bis hin zu blutigen Anfängern – im Herzen aber alle wahre Nerds. Das Resultat konnte sich sehen lassen: 17 verschieden Bots wurden entwickelt.

Auch Natalie Korotaeva, Mitorganisatorin der Veranstaltung, freute sich: „Wir hatten 17 Präsentationen, das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Die Teilnehmer haben in sehr kurzer Zeit extrem viel gelernt, das war großartig. Es war super zu sehen, wie auch die Teilnehmer, die nur Programmier-Basiskenntnisse haben, am Ende des Tages ihren Chatbot auf der Bühne präsentierten.“

Den A1 Bewerb gewann ein Bot, der darüber berät, welches Smartphone am besten zu den persönlichen Wünschen passt – und über den man ebendieses Gerät gleich auch bestellen kann. „Lazy Deejays“ gewann den allgemeinen Bewerb mit einem Chatbot, der mit Youtube verknüpft ist (sich aber auch mit jedem anderen Musikservice verknüpfen lässt) und dem man Liedvorschläge schicken kann. Daraus entsteht dann eine gemeinsame Playlist.

Fotos von Timariuveo (timariuveo.at)

Ein weiterer Bot war „BotTender“: Man sagt ihm, was man im Kühlschrank hat – und er schlägt einem passende Cocktailrezepte vor.

„Menschen haben vielleicht ein komisches Bild. Man sollte sich nicht auf Artificial Intelligence konzentrieren, sondern eher auf den Gedanken mit der ÖBB oder einem Restaurant zu kommunizieren. Man kann via Messenger so auch Spiele spielen“, sagt Thomas Schranz, Gründer des Software Start-ups Blossom und Mitinitiator des Hackathon.

„Wir haben den Bots Hackathon organisiert, weil wir glauben, dass sie der nächste große Innovationsschub sind“, erklärt Jakob Reiter, Gründer des Start-up-Accelerators „The Ventury“.„Aus Deutschland hören wir noch recht wenig, wir sind gut dabei und wollen Wien als Innovationsstandort fördern. Wir können als Community mit unseren Know-How ein Alleinstellungsmerkmal haben, über das gute Leute und Start-ups herkommen und so das Ökosystem verbessern“, so der Gründer weiter.

In Österreich gibt es schon ein paar Chatbots, wie zum Beispiel Mr. Hokify, über den man Jobs suchen kann, oder Mica, the Hipster Cat Bot, der einem die besten Hipsterlokale in Wien verrät.

Das Thema steht aber noch am Anfang. „Es gibt noch zu wenige Bots, das war auch ein Grund für uns, das Event zu organisieren“, erklärt David Pichsenmeister vom Startup orat.io, das sich auf die Kundenkommunikation via Messenger spezialisiert hat. „Es ist logisch, sich auf Chatbots zu konzentrieren, die meisten Menschen sind nämlich ohnehin fast die ganze Zeit auf Messenger Apps, weil sie darüber auch mit Freunden und der Familie kommunizieren.“

Wer einige Bots testet merkt aber: So ganz verstehen sie uns noch nicht, die Maschinen. Einige Fragen werden von den Bots dann gar nicht oder falsch beantwortet. Fans von Artifical Intelligence sehen darin aber auch die mangelnde Fähigkeit des Menschen, die richtigen Fragen zu stellen. Doch selbst bei begrenzten Fragen, etwa solchen mit Ja/Nein-Antworten, bleiben Missverständnisse bestehen.

Wie gut Machine Learning, also das fortschreitende Lernen anhand dessen, was der Mensch antwortet, funktioniert ist also entscheidend. Man ist ohnehin auf eher einfache Anwendungsszenarien beschränkt: Texte, Bilder oder grafische Elemente verschicken. „Allgemeine Infos oder Ticketkäufe kann man perfekt über Bots abhandeln. Oder wenn es um so Fragen wie den Standort der nächsten H&M-Filiale geht – da kann man gleich die Wegbeschreibung mitgeben“, so Reiter.

Abgesehen davon, dass rund eine Milliarde täglich aktive Facebook-User einen Großteil ihrer Zeit in Facebook Messenger verbringen muss man keine App installieren oder Profil anlegen. „Firmen können mit Kunden direkt in einen Dialog treten, eine fast schon persönliche Beziehung aufbauen. Kundenanfragen schließen sich üblicherweise automatisch nachdem das Ticket erledigt ist. Mit Bots kann man eine Woche später ganz einfach Follow-Up-Messages schicken, etwa, ob sich das Problem gelöst hat. Das funktioniert in der traditionellen Kommunikation noch nicht,“ sagt Reiter.

„Idealerweise wird in Zukunft auch das Payment integriert werden,“ meint Pichsenmeister. Da bot auch schon der BotsHackathon eine Lösung: SEPA.digital von Rene Kapusta. Er basiert auf einer Schnittstelle im Number26 System, die Kapusta gehacked hat und über die der Bot Geld transferieren kann. Man schickt dem Bot einen Betrag und eine E-Mail Adresse und er überweist dann das Geld basierend auf diesen Parametern. „Der Bot ist der erste Showcase, den ich kenne, wo man Zahlungen via Messenger abwickeln kann,“ zeigt sich Reiter begeistert.

Doch dieses Mehr an Aktivität bringt natürlich auch ein gesteigertes Datenvolumen. Und gerade Facebook ist nicht unbedingt für einen sensiblen Umgang mit Nutzerdaten bekannt – was auch einer der Hauptkritikpunkte von „Safe Harbor“ war.

Fazit: Sind die Chatbots nun ein Hype – oder nicht?

„Die Interaktion mit Maschinen basierend auf natürlicher Sprache kommt sowieso und Bots verfolgen dieselbe Logik. Sie haben die Chance, eine richtig große Sache zu werden. Jetzt ist die Zeit, in der eine neue Ära von Internet beginnt – sicher kann es auch nur eine Blase sein, die irgendwann platzt“, resümiert Pichsenmeister.

Dennoch, angesichts des theoretischen Potenzials von Chatbots kann man sagen: It’s worth a try.

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