Europas erste Chatbot-Konferenz in Wien

Google Assistant, Facebook Messenger, Viber, Line, … die Highflyer, wenn es um Messenger und Künstliche Intelligenz geht, kamen Mitte Oktober nach Wien, um Teil der ersten internationalen Chatbot Konferenz zu sein. 

Bernhard Hauser (oben links), David Pichsenmeister (oben rechts) – Gründer  von oratio – und deren Team haben die erste internationale Chatbot-Konferenz in Wien organisiert. 400 Menschen kamen um Keynotes und Master Classes zu hören. Chatbots sind Softwareanwendungen die es erlauben verschiedenste interaktive Features in beispielsweise Facebook Messenger zu integrieren. Spannend ist das nicht nur, weil man Anwendungen nicht mehr installieren muss, um sie zu benutzen – also Reibung  wegfällt. Facebook Messenger bietet mit über einer Milliarde aktiver Nutzer enormes Reichweiten-Potenzial. Man kann gleich in der Messenger-Anwendung Restaurants vorgeschlagen bekommen oder shoppen – ausgereift sind die Bots zwar noch nicht, es haben sich aber in kurzer Zeit bereits einige Anwendungsszenarien entwickelt – und natürlich erleichtern Chatbots auch das Sammeln von Daten. Darüber, und wie es eigentlich ist, als Start-up eine internationale Konferenz zu organisieren, haben wir mit Bernhard Hauser gesprochen.

Forbes Austria: Wie entstand die Idee, diese Konferenz zu organisieren und warum fiel die Standortwahl auf Wien?
Bernhard Hauser: Als David (Anm.: Co-Gründer von oratio) im Juni das erste Mal die Idee hatte waren wir uns schnell einig: Wir müssen das unbedingt machen! Ich habe selbst schon Erfahrungen im Eventmanagement gesammelt, was mir unheimlich viel Spaß gemacht hat. Deshalb war mir klar, dass wir gleich etwas Großes machen. Die Entscheidung fiel auf Wien weil wir die lokale Szene stärken wollten. Außerdem gibt es hier sehr viele, die das Thema Chatbots sehr früh aufgegriffen hatten.

Facebook, Google, Microsoft, Viber, Line, wie haben Sie Speaker der größten IT-Unternehmen bekommen?
Wir hatten schon sehr gute Connections zu den Unternehmen durch unsere Arbeit. (Anm: oratio bietet eine Software Lösung für Unternehmen an, damit jene über Messengers wie WhatsApp oder Facebook Messenger und Co mit Kunden kommunizieren können.) Teilweise sind die Firmen auf uns zugekommen – so wie Facebook oder Viber. Abseits dieser Kontakte haben wir auch sehr viele Anfragen versendet. Die ersten Wochen waren hart, weil nichts zurück kam. Zu dem Zeitpunkt war ich in New York und hab mich mit Betaworks (Anm.: Betaworks ist ein Start-up Studio und Seedstage Venture Capital Unternehmen) getroffen, wo Poncho, ein sehr bekannter Chatbot zu Hause ist, deren Team wir unbedingt als Speaker haben wollten – das Management aber war eher reserviert. Als dann die ersten großen Speaker zugesagt hatten, kam dann doch auch Poncho noch kurzfristig dazu. Einen gewissen Schneeballeffekt haben wir schon gespürt.

Wo stehen Chatbots in der breiten Nutzung Ihrer Wahrnehmung nach?
Ich glaube die meisten Konsumenten, sowie die meisten Unternehmen kennen Chatbots noch nicht. Daher sehen wir unsere Aufgabe darin, sie so einfach wie möglich zugänglich zu machen und die Vorteile herauszustreichen. Dazu zählt, dass Unternehmen mit ihren Kunden über jene Kanäle kommunizieren können, die sie sowieso schon jeden Tag verwenden, um mit Freunden und Familie zu schreiben. Aus Sicht des Unternehmens kann es nicht persönlicher werden als das. Außerdem sind Chatbots spannend, weil man durch sie die Kommunikation automatisieren kann.

Warum ist es wichtig, dass Chatbots in der Masse ankommen?
Weil sie die logische Konsequenz von Facebook Pages sind. Früher hat sich die Kommunikation auf Facebook auf der Plattform selbst abgespielt, die Nutzung ist mittlerweile zu mobilen Messengers gewandert. Somit sind wir mit Messengers da, wo wir 2007 mit Facebook Pages waren und Unternehmen müssen sich nach den Kanälen richten, die ihre Kunden nutzen.

Welche Anwendungsszenarien gibt es schon?
Chatbots gibt es für so ziemlich jeden Anwenungsfall und das obwohl es erst seit kurzem die Möglichkeit gibt, sie zu programmieren. Dass Facebook die Messenger Platform im April diesen Jahres gelauncht hat, war eine mutige Ansage. Das Problem ist, die wenigstens Chatbots sind wirklich gut gelöst – beziehungsweise lösen ein echtes Problem.  Die Entwicklung muss noch viel fokussierter werden.

Wie sehen Sie das Thema Datensicherheit in diesem Zusammenhang?
Prinzipiell gilt: wenn ein Service gratis ist, ist der User meistens das Produkt ist. Facebook hat das Interesse jede Aktivität zwischen Menschen zu tracken. Die logische Konsequenz nach der Plattform selbst war also ein Messaging-Dienst, wie Facebook Messenger. Bis zu einem gewissen Grat gibt es Datenschutz-Bedenken. Allerdings legt Facebook Wert darauf nur wenige Daten an Unternehmen weiterzugeben, wenn User über Messenger mit Unternehmen kommunizieren. Natürlich bleiben auch Daten bei Facebook, aber im Endeffekt hat der Kunde die volle Kontrolle über die Kommunikation mit dem Unternehmen über Messenger. Werbung beispielsweise kann er sofort abdrehen.

Wie fällt das Fazit für die erste Chatbot Konferenz aus?
Nicht zuletzt eben weil wir ein wirklich großartiges Team haben, ist alles super gelaufen. Wir bekamen sehr gutes Feedback und das sogar bereits im Vorfeld. Mikhail Larionov von Facebook meinte zum Beispiel, dass er noch nie auf so einer gut organisierten Konferenz war. So etwas freut uns natürlich sehr.

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