Bitpanda: Drei Goldjungs tauchen auf

Jiri Turek/Jana Jaburkova

Die Gründer und Entwickler von Bitpanda, einer An- und Verkaufsplattform für Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und NXT sind soeben dabei, in rasender Geschwindigkeit die Trading-Spitze des europäischen Marktes zu erklimmen.

Das erste Treffen mit den „Bitcoin-Boys“ Eric Demuth, Paul Klanschek und Christian Trummer hat etwas Geheimnisvolles. Es ist aufregend, in diese verschwörerisch-elitäre Welt der virtuellen Zahlungsmittel einzutauchen, und vielleicht lässt sich den jungen Experten auch das ein oder andere Geheimnis entlocken. „Vor gut zwei Jahren haben wir überlegt, wie der zum Teil komplizierte und langwierige Kauf von Bitcoins vernünftiger gestaltet werden kann, und eine Art Webshop entwickelt“, erklärt CEO Eric Demuth. Der 29-Jährige und sein Kollege Paul Klanschek kennen einander aus der Gaming-Szene und sind rund um Bitcoin (BTC) und andere Kryptowährungen wohl „Early Adopters“. Bitpanda-CTO Christian Trummer ist laut Meinung seiner Kollegen ein absolutes Genie und hat die Trading-Plattform innerhalb eines Dreivierteljahres im Alleingang programmiert. „Viele Insider können gar nicht glauben, dass Christian das alles in dieser Zeit alleine aufgebaut hat“, betont Co-CEO und „Financial Wizard“ Paul Klanschek. Nachdem die GmbH beim Wiener Handelsgericht eingetragen war und eine Prüfung der Finanzmarktaufsicht bestanden hatte, ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten. „Seit Dezember 2015 verzeichnen wir ein 20- bis 30-prozentiges Wachstum pro Monat und wickeln Volumina im guten einstelligen Millionen-€-Bereich ab“, erklärt Demuth. Damit ist das junge Fintech bereits nach anderthalb Jahren rentabel – eine Seltenheit bei Start-ups.

Größere Marketingaktivitäten oder Medienberichte waren bisher nicht auf dem Radar der drei Gründer, die gespannt an der Bar „The Bank“ im Wiener Hotel Park Hyatt auf das außergewöhnliche Shooting warten, das Forbes Austria für sie geplant hat. Dafür öffnet das Park Hyatt exklusiv die Pforten zum hauseigenen Arany Spa (Anm.: Arany bedeutet auf Ungarisch Gold), der sich im ehemaligen Tresorraum der umgebauten Länderbank-Zentrale befindet. Auf den Spuren von Dagobert Duck baden die Start-up-Unternehmer dort im größten Indoor-Pool der Wiener Innenstadt, der mit (unechten) Goldbarren ausgekleidet ist. „Bitcoin-Anhänger sagen, dass die Cyberwährung das bessere Gold ist“, erwähnt Demuth und ist sichtlich amüsiert von der passenden Shooting-Location. „Wenn Leute beginnen, sich mit Bitcoins zu beschäftigen, denken sie meist, dass sie als digitale Währung sogenanntes Fiatgeld (Anm.: Zentralbankgeld wie z. B. Euro oder US-Dollar) ersetzen kön nen. Wir sehen das nicht so“, erklärt er; doch sollen Bitcoins und andere Crypto-Currencies im Zeitverlauf wertstabiler sein. Diese Annahme bedarf freilich einer Erklärung: „Die Bitcoin-Technologie gibt es seit 2009 und man weiß jetzt schon ganz genau, wie viele  Bitcoins es in zehn Jahren und insgesamt im Zeitverlauf geben wird“, erklärt Klanschek. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass jeder Bitcoin erst aus dem World Wide Web „geschürft“ werden muss – so ähnlich wie Gold aus einer Mine. Vereinfacht ausgedrückt werden beim sogenannten „Bitcoin-Mining“ mittels anspruchsvoller Rechenprozesse (die viel Strom und professionelle Hardware benötigen) aus Datensätzen (Blocks) bestimmte Zielwerte (Hashs) berechnet. Virtuelle Goldgräber las sen ihre Rechner um die Wette einen Hashwert suchen. Dem schnellsten Berechner wird für das Erreichen dieses Ziels ein „Bonus“ in Form von derzeit 12,5 BTC auf seine Bitcoin-Adresse (Anm.: ähnlich einer Kontonummer) überwiesen. Mit dieser Belohnung soll nicht nur ein Anreizfür die eingesetzte Rechnerleistung gegeben sein – sie dient auch zur „Geldschöpfung“ des bankenlosen Kryptogelds. Da die Summe aller Bitcoins auf 21 Millionen BTC begrenzt ist, reduziert sich die Belohnung im Laufe der Zeit, was mit einer vorbestimmten Inflation vergleichbar ist. Der im Protokoll der Kryptowährung verankerte Mechanismus sieht eine solche Halbierung jeweils nach 210.000 rechnerisch gelösten Blöcken vor. Ursprünglich betrug der Bonus 50 BTC, zwei Halbierungen sind nun bereits absolviert; die nächste auf 6,25 BTC wird im Sommer 2020 erwartet. Der letzte Bitcoin soll schätzungsweise im Jahr 2140 geschürft werden.

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Die Bitpanda Gründer (von links nach rechts) Eric Demuth, Paul Klanschek und Christian Trummer

„Niemand weiß, ob es den Euro zu diesem Zeitpunkt noch geben wird oder wie viele Euros gedruckt werden. Wenn man hingegen einen Bitcoin besitzt, wird man immer ein 21-Millionstel aller Bitcoins halten. Die Zukunft ist also besser abzuschätzen. Ihren Wert erlangen virtuelle Zahlungsmittel übrigens dadurch, dass sich die Menschen darauf geeinigt haben, dass sie einen Wert haben“, erklärt der Finanzchef des Start-ups. Eric Demuth  ergänzt die Vorzüge des Bitcoin-Tradings um einen weiteren Aspekt: „Grenzübergreifende Zahlungen oder Transaktionen können via Bitcoin gebührenfrei innerhalb weniger Sekunden erledigt werden. Services wie Western Union werden im Internetzeitalter nur künstlich am Leben erhalten“, beschreibt er.

Das Herzstück der Plattform bitpanda.com ist ein kostenloses, sicheres und zeitsparendes Bitcoin-Wallet, das Ein- und Auszahlungen in Echtzeit ausführt. Zum Überweisen von Fiatgeld stehen aktuell zehn Zahlungsanbieter zur Auswahl, der jüngste Neuzugang Visa/Mastercard wurde von den Kunden schon lange gewünscht und entwickelt sich rasant zu einer der beliebtesten Zahlungsoptionen. „Dieser Service ist besonders für Einsteiger empfehlenswert, die nach einer Möglichkeit suchen, ohne technische Hürden oder Risiko in Kryptowährungen zu investieren“, verspricht Demuth. Als weiteres Feature bietet Bitpanda allen Kunden die Option, Bitcoins gebührenfrei in Amazon.de-Gutscheine zu tauschen. Durch diesen Service ist das Start-up derzeit eines der wenigen Unternehmen weltweit, die es ermöglichen, Bitcoins und Ethereum in Guthaben bei amazon.de umzuwandeln. Und auch das Anti-Fraud-System des Bitcoin-Traders ist zukunftsweisend, denn alle Nutzer und ihre Daten werden unter anderem per Video-Ident verfahren autorisiert, bevor Geldgeschäfte abgewickelt werden.

„Diese Sicherheitsmaßnahmen machen wir freiwillig und konnten dadurch viele Zahlungsanbieter von unserer Seriosität überzeugen. Aufgrund des schlechten Rufs von Bitcoins haben wir zu Beginn für unser Unternehmen nicht einmal ein Bankkonto bekommen“, erzählt Demuth, dessen größtes Ziel es ist, Bitcoin und Blockchaintechnologien für den Mainstream zugänglich zu machen. „Mittlerweile kommen die Banken auf uns zu, und die Vorstände wollen sich mit uns unterhalten, weil dieser Bereich für den Bankensektor immer wichtiger wird“, erzählt er.

Bitpanda ist mit seinen elf Teammitgliedern auf dem besten Weg, zum europäischen Marktführer aufzusteigen, wenn sie der nicht bereits sind. Als erster Investor ist Pius Springer, Leiter der Non-Core Operations Unit der Deutschen Bank in New York, eingestiegen. Aktuell stehen die drei Goldjungs mit ihrem Team vor dem Abschluss ihrer ersten großen Finanzierungsrunde, die rund eine Million € generieren soll. Das frische Kapital wollen die Gründer nun in ihre Expansionspläne – neue Features und der Ausbau der Plattform im Fintech-Sektor – investieren. „Bitcoin steht gerade noch am Anfang, und es ist immer besser gewesen, jetzt zu kaufen, als in einem Jahr“, raten sie.

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