Die Forbes-Geschichte

B.C. ForbesDas Forbes-Magazin ist in Österreich angekommen. Und weil der Name für eine ganz besondere Art des Wirtschaftsjournalismus steht, lohnt sich ein Blick zurück in die Vergangenheit dieses Verlages, geprägt von Männern, Macht und global umgesetzter Einflussnahme. Am Anfang der Geschichte stehen Talent und Pioniergeist – zwei Charakterzüge, die dem Magazin bis heute erhalten geblieben sind. Als Bertie Charles – genannt B. C. – Forbes im September 1917 das seinen Namen tragende Magazin gründete, konnte er bereits auf einen schillern den Lebenslauf verweisen: 1880 in Schottland als Sohn eines Schneiders geboren, verdiente er sich seine ersten Sporen in diversen regionalen Redaktionen, zog für einige Zeit nach Südafrika und fand schlussendlich seine Berufung im Wirtschaftsjournalismus. Folgerichtig zog er mit einem kleinen finanziellen Polster nach New York. Der damals erst 24-Jährige fasste schnell Tritt, stieg stetig auf und übernahm schließlich für den Medienmogul William R. Hearst und dessen „New York American“ das Finanzressort. Mit einer neuen, größeren Leserschaft baute Forbes seine Position als bekanntester Wirtschaftsjournalist der Stadt aus.

DIE GRÜNDUNG DES MAGAZINS

Nachdem neue Wege zu beschreiten genauso zum amerikanischen Traum gehört wie Teller zu waschen, widmete sich Forbes schließlich trotz aller redaktionellen Erfolge und eines Jahresgehalts, das heute rund 250.000 US-$ entsprechen würde, seinem ureigensten Wunsch: dem eigenen Magazin. Weiterhin auf der Gehaltsliste von Hearst stehend und unterstützt von verschiedenen Investoren gründete B. C. Forbes im September 1917 das nach ihm benannte Magazin – „Forbes“. Bereits in seinem ersten Editorial machte er seine Linie klar: „Wirtschaft war ursprünglich dazu gedacht, Glück zu produzieren – nicht, um Millionen zu scheffeln.“ Geschrieben wurden die ersten Ausgaben – veröffentlicht alle zwei Wochen zu einem Preis von 15 US- Cent – größtenteils von B. C. selbst. Sein bissiger Schreibstil, der Blick hinter die Fassaden, sein Herz für Erfolgsgeschichten und sein unbestechliches Moralverständnis gegen Korruption stellten einen Mix dar, der bei der Leserschaft enormen Anklang fand. Die Popularität des Magazins nahm in den boomenden 1920er-Jahren stetig zu – geht’s der Wirtschaft gut, geht’s dem Wirtschaftsjournalismus gut. Dass es der Wirtschaft bald nicht mehr so gut gehen würde, ahnte Forbes voraus, warnte seine Leser und überstand selbst den ersten Schock gut, erwarb aber zu früh wieder Aktien. Das setzte ihn zwar fi nanziell unter Druck, durch seine Kolumnen und Artikel für Hearst blieb Forbes aber liquide. Im Wettbewerb mit zwei 1929 und 1930 gegründeten Konkurrenzmagazinen – „Businessweek“ und „Fortune“ – geriet das Magazin selbst aber immer stärker unter Druck.

Nach 1945, einigen Buchveröffentlichungen und Umstrukturierungen sowie einer inhaltlichen Neuausrichtung, die einen stärkeren Fokus auf die Praxis legte, hatte vor allem der Einstieg von B. C.s ältestem Sohn, Malcolm Stevenson Forbes, positive Folgen. Auf Malcolms Initiative erschien 1948 das erste Unternehmens ranking. Nach B. C.s Tod im Mai 1954 übernahm aber vorerst der älteste Sohn Bruce das Unternehmen. Bis zu Bruces Krebstod im Jahre 1964 konnte die Auflage mehr als verdoppelt werden. Mitverantwortlich waren auch neu eingestellte Rechercheure, die die Fakten der Redakteure überprüfen sollten. Forbes wurde dadurch zur noch verlässlicheren Quelle und gewann weitere Leser aus dem CEO-und Investmentbereich.

MALCOLM FORBES ÜBERNIMMT

Als Malcolm seinem Bruder als Herausgeber und Chefredakteur folgte, machte er sich zunächst daran, das Magazin familienintern zu konsolidieren: Er zahlte der Witwe seines Bruders ihre Anteile aus und überzeugte seine beiden anderen Brüder, ihre Anteile an ihn zu verkaufen. Um Forbes als auflagenstärkstes Businessmagazin zu etablieren, positionierte er es als wagemutigen Übersetzer der Geschichten hinter den Nachrichten. Er selbst lebte nach dem Motto: „.Der Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern ist der Preis ihrer Spielsachen.“ Neben Yachten, der privaten Boeing 727, großen Kunst-, Harley-Davidson-, Heißluftballon- und Fabergé-Eier-Sammlungen sowie einer Insel an der Datumsgrenze waren seine opulenten Partys ein gefundenes Fressen für den Boulevard. Der Mythos Malcolm schadete dem Magazin nicht, ganz im Gegenteil. Malcolm machte den eigenen Lebensstil zu einem Marketing-Tool. Das Resultat: Die Umsätze des Magazins stiegen rasant, 1972 betrug die Auflage 625.000 Exemplare – alleine die Abonnements brachten jährliche Einnahmen von 4,5 Millionen US-$. Bis Ende der 1980er-Jahre etablierte sich Forbes als zweitprofitabelstes Magazin der USA, übertroffen nur vom Playboy. Grund dafür waren neben hohen Werbeeinnahmen auch ein schlankes Netzwerk an globalen Journalisten und eine kleine New Yorker Redaktion.

GEGENWART UND ZUKUNFT

In den 1980ern arbeitete sich Malcolms Sohn Malcolm Stevenson Forbes, genannt Steve, in der Redaktion hoch, um seinem Vater nach dessen Tod im Jahr 1990 als Chefredakteur nachzufolgen. Steve gab dem Magazin einen konservativeren Anstrich, unterstützt vom neuen Herausgeber Caspar Weinberger, der unter US-Präsident Ronald Reagan als Verteidigungsminister fungierte. Die Absätze blieben stabil, das Magazin-Portfolio wurde erweitert. Neben einer Show auf dem Fox News Channel (2002) werden seit den 1990ern auch weitere Rankings ins Repertoire aufgenommen, wie etwa die „Celebrity 100“, die Liste der mächtigsten Frauen oder die Liste der 30 unter 30 (ab 2012). Auch Brand Extensions werden ausgebaut, gemeinsam mit der Ashford-Universität wird 2013 etwa die Forbes School of Business gegründet. Wie alle Printmedien musste sich auch das Forbes-Magazin der Herausforderung des Internets stellen. 1996 ging mit forbes.com eine der ersten Medien-Websites online. Über die Bespielung diversester analoger und digitaler Medienkanäle erreicht Forbes weltweit mehr als 70 Millionen Menschen. Die Wirtschaftskrise im Allgemeinen und das sich ändernde Leserverhalten im Speziellen führen den Verlag zwar zu einer erfolgreichen und zukunftsweisenden Online-Offensive, finanziell spürt man jedoch den Verschleiß und entschließt sich deshalb, nach einem Finanzpartner Ausschau zu halten, der 2014 im Hongkonger Finanzkonsortium Integrated Whale Media Investments gefunden wurde. Steve Forbes bleibt Herausgeber des Magazins und verfasst weiterhin für jede Ausgabe seine angriffigen Leitartikel.

EINSTIEG IN ÖSTERREICH

Seit Anfang der 1990er-Jahre werden außerdem regionale Forbes-Magazine in den jeweiligen Landessprachen lanciert. Heute umfasst das Netzwerk 38 nationale Ausgaben, unter anderem in Indien, Mexiko, Spanien oder Italien. Seit April 2015 erscheint Forbes auch in Österreich.