Grape: Klarere und einfachere Kommunikation

Eine Software in Wien entwickeln? „Da muss man auf die großen Infrastrukturunternehmen gehen, denn wer nicht rund um Microsoft eine Software anbietet, hat es sonst schwer“, so Felix Häusler (rechts), der die Telekom Niederlande, aber auch die Energie AG in Österreich zu seinen Kunden zählt.

Er und Leo Fasbender haben Grape im April 2015 gelauncht, heute beschäftigen sie 14 Mitarbeiter. Sie bieten eine Anwendung an, die Firmenserver und -datenbanken in die Chatoberfläche integriert. Das wesentlichste Merkmal von Grape ist die klarere und einfachere Kommunikation. „Wenn ich mit Leo über Pitch-Unterlagen rede, kann ich sie gleich mittels Button integrieren, der sie automatisch öffnet. Man weiß sofort, was der andere meint, und braucht so weniger Nachrichten“, sagt Häusler. So agieren die Gründer konträr zu dem, worauf die meisten Chatanwendungen fokussieren: möglichst viel Aktivität und eine lange Chathistory.

Das gefiel auch Josh Miller, selbst Gründer unter anderem der Firma Branch Media, die von Facebook gekauft wurde, und Venture Partner bei Betaworks, einem Risikokapital-Fonds und Technologie-Entwickler mit Sitz in New York. „Er meinte, wir seien verrückt, weil wir uns auf die Eingabemaske und das Textfeld konzentrieren.“ Häusler und Fasbender machen vieles anders. „Wir sind in unserer Herangehensweise eher amerikanisch. Wir gehen mit unserem Produkt eine große Wette ein. Wir positionieren uns selbstbewusst und sagen: ,Gebt uns das Geld!‘“ Miller hingegen konnte der Herangehensweise und der Anwendung offenbar viel abgewinnen. Er arrangierte einen Pitch bei Betaworks. „Der Pitch war am 20.12.2014 via Skype“, erinnert sich Häusler, „wir waren total aufgeregt. Wir hatten nur 20 Minuten Zeit. Uns saßen drei Typen in New York gegenüber. Sie hatten während des gesamten Pitches Pokerfaces – und wir sind innerlich immer mehr gestorben.“ Wahrlich keine angenehme Erfahrung, Grape brauchte nämlich dringend Geld. „Wir beendeten das Gespräch und sie sagten, sie melden sich bei uns. Dann hat sich schön langsam das Büro geleert. Um 23 Uhr kam endlich das Mail: Sie sind interessiert, und ob wir das Investment in Euro oder in Dollar wollen.“

Es stiegen dann noch andere Investoren ein und so räumten die Gründer 1,5 Millionen € Seed-Investment ab. Momentan bereiten sie ihre A-Series vor, die im Herbst über die Bühne gehen soll.

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