30 unter 30: Interview mit Benjamin Ruschin, Gründer von Manageers

Benjamin Ruschin (29) ist einer der Überflieger der Forbes Austria „30 under 30”-Liste. Beim Shooting im Semper-Depot blieb auch noch Zeit, dem eloquenten Jungunternehmer auf den Zahn zu fühlen. Gemeinsam mit seinem Partner Sead Ahmetović bietet er mit seinem Unternehmen „Vienna Digital” komplexe Lösungen in den Bereichen Web- & Mobile-Entwicklung, Apps, e-Commerce-Lösungen, Social Software, digitale Medien, Datenbank- & CRM-Lösungen, sowie Suchmaschinen-Marketing und hat auch privat ambitionierte Ziele für die Zukunft.

Wann hat für Sie der Ernst des Lebens begonnen?

Der Ernst des Lebens hat für mich mit 17 Jahren begonnen. Damals hatte ich vier Einser, zwei Zweier und eine Drei im Zeugnis und ich war der Einzige im ganzen Jahrgang, der diesen Notenschnitt hatte. Meine Eltern haben, als ich ihnen das Zeugnis präsentiert habe, nur gesagt: „Schau, dass Du diese Drei wegbekommst.” Das war schon ein Druck, der sich dann aufgebaut hat. Aber ich habe entschieden, dass ich nicht studieren oder arbeiten möchte, um meine Eltern oder Großeltern glücklich zu machen, sondern für mich selbst. Damals habe ich auch entschieden, dass ich etwas erreichen will, aber für mich und nicht für andere.

Was machen Sie in Ihrer Position als CEO von Vienna Digital hauptsächlich?

Zum einen definiere ich gemeinsam mit meinem Co-Founder Sead Ahmetović die Strategie der Firma – in welche Richtung wir gehen, was wir konkret welchen Zielgruppen anbieten wollen und auch in welche Länder wir gehen wollen. Wir haben vor zwei Jahren eine Niederlassung in Bosnien, Sarajevo gegründet. Zudem bin ich stark im Vertrieb tätig, mache Sales für die ganze Firma – ein Job ist es, dass Geld reinkommt. Und auch für Marketing und PR bin ich verantwortlich.

Was fasziniert Sie am Digital Marketing?

Grundsätzlich finde ich, dass die Werbebranche in Österreich bzw. die Marketingbranche, die am wenigsten innovative Branche ist, die wir haben. Da passiert null und 50 Prozent von dem, was in der Branche verkauft wird, ist heiße Luft. Was mir sehr Spaß macht ist, dass wir anderen Firmen helfen ihre Produkte online zu verkaufen – wir entwickeln die Strategien, wir entwickeln die Produkte und liefern messbare Erfolge. Wir werden nicht daran gemessen, was wir tun, sondern wir werden daran gemessen welches Ergebnis wir unseren Kunden bringen. Zu sehen, dass wir Ergebnisse liefern, die zufriedenstellend sind und die unseren Kunden neue Geschäftsmöglichkeiten bieten. Das motiviert uns.

Worauf führen Sie Ihren frühen Erfolg und Ihre hohe Position zurück, die Sie in jungen Jahren erreicht haben?

Ich bin sehr ehrgeizig, will viel erreichen und bin eigentlich selten zufrieden mit dem Status Quo. Auch habe ich davon profitiert, dass ich ein paar Brands in meinem Lebenslauf hatte, die cool waren und die viele Arbeitgeber und Unternehmen gerne sehen wollen. Ich habe bei ein paar Banken gearbeitet, war bei der Uno in New York, bei IBM in England und an renommierten Unis. Das scheint für viele Arbeitgeber immer noch ein wichtiges Kriterium zu sein.

Außerdem habe ich versucht, mir relativ schnell ein Netzwerk aufzubauen, das in den Unternehmen möglichst hoch ansetzt. Ich bin sehr gut vernetzt mit vielen Vorständen und Geschäftsführern von großen und mittleren Unternehmen in Österreich, wo es extrem wichtig ist gute Beziehungen zu pflegen. Was viele Leute beim Networking missverstehen: Es geht nicht nur darum Visitenkarten auszutauschen, sondern wirklich Beziehungen zu pflegen. Ich glaube der Fehler den viele machen ist, dass sie glauben, dass sie einen Kontakt haben, nur weil sie mit einem CEO eine Visitenkarte ausgetauscht haben, die dann in einem Stapel liegt.

Aber ein Kontakt ist nur dann wertvoll, wenn man wirklich eine gute, wertvolle Beziehung mit jemandem hat. Das muss gepflegt werden. Was man auch wissen muss ist, dass dieses Netzwerk nicht sofort greift und nicht sofort eine Woche später etwas zurück kommt und die Firma Kunde bei Dir Kunde wird. Es kann ein halbes Jahr dauern, es kann ein Jahr dauern, es kann drei bis vier dauern, bis Du so weit bist, dass Dir diese Kontakte wirklich weiter helfen. Das ist ein Geben und Nehmen!

Vor Ihrer Zeit bei Vienna Digital haben Sie noch die Karriere Community „Manageers” gegründet. Was waren bisher die größten Meilensteine Ihrer beruflichen Laufbahn?

Ein Meilenstein war, dass ich 2010 die „Marketing Natives” gegründet habe, die größte Marketing Community in Österreich. Ich habe sie auf eigene Initiative, unter dem Dach eines Vereins gegründet, wir haben innerhalb von drei, vier Monaten 500 Mitglieder gehabt und richtig geile, große Events geschmissen. Ich kannte damals niemanden, hatte überhaupt kein Netzwerk und habe mir das alles selbst aufgebaut. Das war ein Erfolgsprojekt! Mein zweiter Meilenstein war dann der Schritt in die Selbstständigkeit und rückblickend kann ich sagen: Du musst in Österreich total verrückt sein, um Dich selbstständig zu machen.

Du musst ein totaler Spinner sein und irgendwie einen „Hau” haben, damit Du diesen Schritt gehst, weil es wird Dir nicht leicht gemacht. Obwohl ich mit gutem Lebenslauf und Netzwerk super Voraussetzungen hatte ist es verdammt hart in Österreich als Start-up oder als Jungunternehmer erfolgreich zu sein.

Worauf führen Sie das zurück?

Wir leben in einer sehr konservativen Gesellschaft, wo sehr wenig weiter geht. Die Mühlen drehen sich extrem langsam in Österreich, was auf ein gesellschaftliches Problem zurückzuführen ist und das ist die österreichische Bequemlichkeit. Wir haben uns lange zurückgelehnt, waren von osteuropäischen Ländern umgeben, die Entwicklungsländer waren bzw. sind und da hat sich Österreich natürlich sehr leicht getan, weil man musste nicht viel tun, um wirklich einen Wettbewerbsvorteil zu haben gegenüber den umgebenden Ländern. Wenn wir uns mit Deutschland oder der Schweiz vergleichen dann sind wir wirklich eine Schnecke im Vergleich zu dem Tempo, das sie vorgeben.

In Österreich geht es zudem nicht darum was du sagst, sondern wie du es sagst. Es geht nicht darum was du machst, sondern darum wie Du Dich präsentierst. Ich habe einmal gehört, dass „Erfolg gleich Leistung Mal Kommunikation hoch zwei ist”. Das halte ich für absoluten Schwachsinn, weil es impliziert, dass Leistung zwar wichtig, aber die Kommunikation rund um die Leistung noch viel wichtiger ist. Das missverstehen viele Leute weil sie glauben, sie müssen jetzt nicht mehr viel leisten, sondern nur groß PR machen und alles andere ergibt sich von selbst. Das ist aber falsch! Ich bin fest davon überzeugt: Wenn Du ein Produkt hast, das der Markt wirklich braucht, dann musst Du kaum Marketing dafür machen. Du musst es bewerben und Du musst es kommunizieren und so weiter – klar Marketing ist wichtig, aber wenn Du ein Produkt hast, dass die Leute wirklich brauchen, dann läuft das von selbst.

Was bringt die Zukunft? Wohin soll die Reise für Sie gehen?

Wir haben Umsatzziele, die wir erreichen wollen und wir wollen wachsen. Wir sind jetzt 13 Mitarbeiter in zwei Ländern, wollen größer werden und einen noch breiteren Kundenstock aufbauen. Mein persönliches Ziel kann ich nicht einfach in Umsatzzahlen oder in Mitarbeiterzahlen oder in Produkten definieren, denn für mich ist auch sehr wichtig wie ich es schaffe ein glückliches Leben zu führen. Kein Mensch lernt auf der Uni wie man eine Work-Life-Balance herstellt. Wie man es schafft nicht nur mit Kollegen und Leuten im beruflichen Umfeld unterwegs zu sein, sondern auch ein Leben abseits der Arbeit zu haben.

Viele Leute merken das erst wenn es zu spät ist. Manager merken es dann, wenn sie nach Hause kommen und die Frau ist mit den Kindern ausgezogen. Daher ist ein wichtiges Ziel, das ich verfolge, dass ich beruflich und privat erfolgreich bin – das unterschätzen viele. Ich glaube man braucht ein intaktes Privatleben, um auch beruflich erfolgreich zu sein.

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