Armutsbekämpfung: Der Weg stimmt

Die Reduktion von Armut ist eine der wenigen globalen Erfolgsgeschichten. Im Jahr 2015 wird die Zahl der Menschen, die als extrem arm gelten, laut Weltbank auf unter zehn Prozent der Weltbevölkerung fallen. Das Ziel der Vereinten Nationen, diese bis 2030 gänzlich abzuschaffen, wird trotz erstaunlicher Fortschritte dennoch kein Selbstläufer.

Kürzlich veröffentlichte die Weltbank einen Bericht zur globalen Armutssituation. Demnach fällt der Anteil an Menschen, die in extremer Armut leben, an der Weltbevölkerung im Jahr 2015 erstmals unter zehn Prozent. 702 Millionen Menschen müssen dann mit der definitorischen Schwelle von 1,90 US-$ pro Tag auskommen – die Schwelle wurde kürzlich von 1,25 US-$ pro Tag nach oben korrigiert.

Das Ziel der Vereinten Nationen, Armut bis 2030 gänzlich zu beenden, scheint erreichbar. Jim Yong Kim, Präsident der Weltbank, sagte dazu: „Das ist das Beste, was derzeit in der Welt passiert. Die Prognosen zeigen, dass wir die erste Generation sein könnten, die extreme Armut beendet.“ Einfach wird die Erreichung von ebendiesem Ziel aber nicht.

Erfolgsstory Armutsbekämpfung

Die Armutsbekämpfung ist einer der Bereiche, in denen die Weltbevölkerung erstaunliche Fortschritte erzielt. In den letzten 25 Jahren – 1990 lag der globale Armutsanteil bei 37 Prozent – schafften eine Milliarde Menschen den Weg aus der Armut (siehe Grafik). Etwa drei Viertel davon entfielen alleine auf China, wo das massive Wirtschaftswachstum der letzten drei Jahrzehnte zu einer deutlichen Erhöhung des Wohlstands führte.

Bildschirmfoto 2015-10-09 um 14.18.49

Quelle: Weltbank

Und auch andere Schwellenländer – etwa in Südostasien oder Indien – haben ihren Beitrag geleistet. Afrika macht ebenso Fortschritte – dennoch konzentriert sich die Hälfte der Armut nach wie vor in Sub-Sahara-Afrika. An den Berechnungen kommt aber auch Kritik auf, da in verschiedenen Regionen unterschiedliche Preisniveaus herrschen, die einen Vergleich schwierig machen. Doch selbst mit leichten Änderungen technischer Details ist der Trend fallend, wie die Weltbank auf ihrem Blog erklärt.

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Schwierigkeiten gibt es dennoch, da mit dem Durchbrechen der Schwelle extremer Armut, Menschen nicht plötzlich wohlhaben sind. Jedes Einkommen unter vier US-$ gilt nämlich in einer Zwischenstufe als „moderat arm“.

Dazu kommt ein Problem, das auch die Weltbank sieht und kritisiert – nämlich, dass die Schere in den Entwicklungsländern weiter aufgeht. Das Pro-Kopf-Einkommen der Ärmsten in den Entwicklungsländern ist seit 1990 gefallen. Gerade das Aufgehen der Einkommensschere könnte Ländern wie China – angesichts sich einbremsender Wachstumsraten – schicksalhaft ereilen.

Dennoch lässt der Bericht hoffen. Denn extreme Armut fällt – und könnte bis 2030 gänzlich verschwunden sein. Das gibt allemal Grund zum Jubeln.

print