Felix Krause ist erst 23 Jahre alt, hat aber schon viel erlebt. In seiner momentanen Heimat San Francisco wechselte er unlängst den Arbeitsplatz – von Twitter zu Google. Langfristig will er aber nach Wien zurückkehren.

Felix Krause ist hierzulande ein begehrter Interviewpartner. Junge Talente, die einfach machen und nicht lange fragen, sind beliebt. Und in diese Kategorie kann man Felix Krause, heute 23 Jahre alt, zweifelsohne stellen. Mit zarten 21 Jahren ist er in die USA ausgewandert – damals hatte der Tech- Riese Twitter Krauses Start-up Fastlane gekauft und ihn angestellt. Über die Details des Deals spricht Krause nicht. Seine Mitgift war jedenfalls das von ihm entwickelte, gleichnamige Software- Entwickler-Tool Fastlane, das das Einreichen von iOS- und Android-Apps in den jeweiligen Stores automatisiert und so Entwicklern bis heute schon fast sieben Millionen Arbeitsstunden gespart hat. Anfang dieses Jahres ging dann ein Traum für ihn in Erfüllung; seine Begeisterung darüber teilte er auch via Facebook: Dort sieht man ein Foto vom noch 15-jährigen Felix Krause aus dem Jahr 2010 vor dem Eingang des Google-Hauptquartiers. „Sieben Jahre später hatte ich meinen ersten Arbeitstag bei Google in Mountain View. Das war nach dem Kauf von Fabric (Anm.: die Entwickler-Einheit von Twitter, zu der Fastlane gehört). Ich bin sehr glücklich, dieses Ziel erreicht zu haben und kann gar nicht erwarten, was ich in den
nächsten Monaten und Jahren bei Google alles lernen werde.“ Am Rande unseres „30 unter 30“-Foto shootings im Coworking-Space Sektor 5 sprachen wir mit Krause über diese für ihn doch große berufliche Veränderung.

Ihr Produkt Fastlane wurde an Google verkauft, Sie selbst gingen mit. Wie lief dieser Deal ab?

Google übernahm das komplette Team von Fabric, der Entwickler-Einheit von Twitter – Fastlane war ja ein Teil davon. Wir operieren so weiter, wie wir Mitte Jänner bei Twitter aufgehört haben, nur sind wir jetzt eben bei Google. Das ist eine ganz andere Umgebung – Google hat andere Ziele als Twitter, will etwa mehr Produkte bereitstellen. Ein Fokus ist zum Beispiel, gute Produkte für iOS-App-Entwickler anbieten zu können, da passt Fastlane gut hin.

Das war also eine strategische Entscheidung. Waren Sie in den Deal involviert? Was wissen Sie darüber?

Ich war in die Entscheidung leider nicht involviert und kann auch nicht allzu viel dazu sagen. Es wurde versucht, Leaks zu vermeiden, indem so wenig Mitarbeiter wie möglich eingebunden waren – nämlich überhaupt nur das obere Management. Die Entscheidung wurde dann verkündet und man konnte sich aussuchen, ob man zu Google wechseln möchte oder nicht. Ich habe vorab mit ein paar Leuten, die ich bei Google kenne, gesprochen. Ich wollte für mich erfahren, ob das inte ressant ist. Mir ging es darum, herauszufinden, ob das Produkt weiterbetrieben wird, weil mir die Community, die Fastlane verwendet, sehr am Herzen liegt. Mir ist wichtig, dass die Entwickler sich auf Fastlane verlassen und das Produkt auch weiterhin verwenden können. Google war sehr interessiert an Fastlane. Deswegen habe ich mich entschieden, dort weiterzumachen.

Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst. Ich versuche immer, früh am tag schon etwas zu erledigen. WEnn ich das Gefühl habe, etwas geschafft zu haben, bin ich zufrieden.
Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst. Ich versuche immer, früh am Tag schon etwas zu erledigen. Wenn ich das Gefühl habe, etwas geschafft zu haben, bin ich zufrieden.

Sie haben lange davon geträumt, dort zu arbeiten. Wie ist das nun für Sie?

Google ist das perfekte Umfeld. Ich habe sieben Jahre darauf hingearbeitet. Dass ich jetzt mit Fastlane dorthin komme, ist großartig. Für mich persönlich ist Google eine super Firma, um zu lernen und zu wachsen, weil es dort sehr viele sehr intelligente Menschen gibt. Ich finde es spannend, dass Google – für eine IT-Firma – schon lange existiert und auch konstant gewachsen ist und dabei auch wirklich Geld verdient.

Wie war es für Sie, in diese Entscheidung nicht involviert gewesen zu sein?

Für mich war es eine Überraschung. Ich wusste im Vorhinein nichts davon und habe mir auch lange Zeit genommen und mit vielen Leuten gesprochen, um ein Gefühl für diese Situation zu bekommen, vor allem darüber, was Googles Pläne sind – manche waren leichtfertiger; ich habe diese Entscheidung sehr ernst genommen.

Was hat Sie dazu bewegt, schlussendlich Ja zu sagen?

Wir haben jetzt Googles Ressourcen zur Verfügung, um an Fastlane zu arbeiten. Google ist ja viel größer als Twitter, das ist schon etwas anderes. Man kann mit ganz vielen verschiedenen Teams zusammenarbeiten. Die Unternehmensgröße ist ein Vorteil, denn die Wahrscheinlichkeit, dass man jemanden bei einem Problem fragen kann, der die gleiche oder eine ähnliche Erfahrung gemacht hat, ist sehr hoch.

Man hört immer wieder, dass das Arbeitspensum vor allem bei Firmen wie Google sehr hoch ist. Wie stehen Sie zum Thema Work-Life-Balance?

Für mich haben sich „Work“ und „Life“ immer schon vermischt. Fastlane war ja ein Hobby, ein Uni-Projekt, und heute ist es meine Arbeit. Ich versuche immer, früh am Tag schon irgendetwas zu erledigen. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich etwas geschafft habe, bin ich zufrieden und kann auch meine Freizeit besser genießen. Sonst fühle ich mich, als würde ich nicht weiterkommen.

Warum ist Ihnen das wichtig?

Ich bin ein großer Fan davon, das, was man macht, auch ordentlich zu machen. Nicht halbherzig oder nebenbei – ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst.

Sie leben nun schon seit zwei Jahren in den USA. Haben Sie Heimweh?

Das Gute am dortigen Leben ist, dass man merkt, dass die Leute auch nur mit Wasser kochen. Silicon Valley oder Google sind für mich nicht mehr dieser unerreichte „Northstar“. Klar gibt es gute Leute, mit denen man super zusammenarbeiten kann, aber das kann man in Österreich auch. Mir ist wichtig, mich entwickeln zu können. Das werde ich hier wohl noch ein paar Jahre können. Alles habe ich hier noch nicht erreicht. Ich fokussiere mich darauf, so viel wie möglich aufzusaugen und viele Leute kennenzulernen. Eines Tages möchte ich etwas Eigenes machen – und das wahrscheinlich „eh“ in Wien anfangen.

Fotos: Jiri Turek & Jana Jaburkova

print