AUTORIN: Sophie von Puttkamer 

2011 gründete Andrea Pfundmeier mit ihrem Freund Robert Freudenreich das Cybersecurity-Start-up „Secomba“. Das zugehörige Produkt heißt „Boxcryptor“ und verschlüsselt lokale Daten, bevor diese in die Cloud wandern.

Was macht Secomba erfolgreich?

Der Stempel „Made in Germany“ ist für viele noch immer ein Garant für Qualität und Verlässlichkeit. Viele Nutzer legen Wert darauf, ein deutsches Produkt zu benutzen. Oft ist es in der Start-up-Szene ein Nachteil, seinen Sitz in Deutschland zu ­haben, denn viele denken, die besten Ideen kämen aus den USA. Doch in unserer Nische, Cybersecurity, ist Deutschland positiv.

Deshalb auch der Standort Augsburg?

Ich komme aus Augsburg. Und weil es bei unserem Produkt egal ist, wo wir sitzen, und weil wir hier gute Mitarbeiter haben, gibt es für uns keinen Grund, nach München, Berlin oder in die USA zu gehen.

Welche Kunden nutzen Ihr Produkt?

Wir haben auch private Nutzer, aber mehr als die Hälfte sind Geschäftskunden; Rechtsanwälte, Ärzte, Forschungsabteilungen und größere Unternehmen. Unsere Kunden sind weltweit verstreut: Inzwischen ist unser Produkt in über 190 Ländern im Einsatz. Zudem werden wir für Kommunen und Landkreise interessant.

Oft ist ein sitz in deutschland für Start-ups ein Nachteil. Bei cybersecurity ist „Made in Germany“ aber positiv.
Oft ist ein sitz in deutschland für Start-ups ein Nachteil. Bei cybersecurity ist „Made in Germany“ aber positiv.

Sie haben 2014 den deutschen Gründerpreis gewonnen – hatte das Einfluss auf die Entwicklung Ihres Start-ups?

Nicht beim Umsatz, aber von der Bekanntheit – und zwar im Sinne von Rekrutierung. Wir wurden förmlich mit Bewerbungen bombardiert. Inzwischen haben wir 30 Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern und werden weiter wachsen. Das Schöne ist, dass wir so auch für Partnerschaften mit anderen Unternehmen immer interessanter werden.

Gilt das auch für die Konkurrenz?

Tatsächlich sind wir Partner von Dropbox. Dropbox weiß, dass gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein erhöhter Bedarf nach zusätzlicher Cybersicherheit existiert. Als wir 2011 unsere Firma gründeten, waren wir die Ersten auf dem Markt, inzwischen gibt es einige vergleichbare Produkte. Technologisch und in Sachen Verbreitung sind wir aber nach wie vor führend.

Hatten Sie schon Übernahmeangebote?

Viele! Aber bisher haben wir uns für die Eigenständigkeit entschieden, weil wir Gründer sind und es auch bleiben wollen. Wir wollten weiter auf dem Fahrersitz sitzen und selbst entscheiden, wohin die Reise geht.

Sie sind Mitglied im Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ der deutschen Bundesregierung. Was genau tun Sie in diesem Gremium?

Der Beirat besteht aus jungen Gründern, Venture-Capital-Gebern oder anderen Persönlichkeiten der Gründerszene. Diese überlegen sich gemeinsam, was man tun kann, um die Gründerkultur in Deutschland zu beflügeln und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit mehr Menschen gründen. Wir unterstützen auch bei Gesetzesentwürfen, gehen an Schulen und halten Vorträge. Denn viele können mit dem Berufsbild „Gründer“ nichts anfangen. Wir versuchen, das Bild des Unternehmers in der ­Öffentlichkeit wieder positiver zu ­besetzen.

Fotos: David Višnjić

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