Staffelstart von 2 Minuten 2 Millionen: Check Yeti räumt ab

Die vierte Staffel der Puls4 Startup Show startete mit einer Rekordquote von 220.000 Zusehern in den Spitzenzeiten – damit erfolgte der erfolgreichste Staffelstart nach Eigenangaben. Insgesamt wurden 1,5 Mio € investiert. 

Schaffen es junge Gründer, die alteingesessene Jury von ihrer Idee zu überzeugen und Investment zu bekommen? Das ist es wohl, was die meisten Zuseher an den TV-Geräten hält: Voyeurismus gepaart mit Lehrinhalten wie, was ist ein Deckungsbeitrag, worauf blicken Investoren und welche Ideen können wirtschaftlich funktionieren? Nach zweiminütigen Pitches und der Fragerunde durch die Investoren werden Deals abgeschlossen. Gründer geben Anteile ihres Start-ups her, oder gründen gar erst eines – im Gegenzug bekommen sie Geld, Expertise, oder Werbezeiten – Letzteres betrifft vor allem das Modell das Puls4 mit dem sendereigenen Venture-Arm SevenVentures verfolgt. Nicht nur die eigenen Bestrebungen sich an Startups zu beteiligen, auch die erfolgreiche Quote geben dem Fortsetzen des österreichischen Ablegers der ursprünglich japanischen Sendung Money Tigers recht. In der vierten Staffel sind rund 60 Unternehmer dabei, 11 Folgen à 100 Minuten wird es geben. Das bedeutet nicht nur viel Arbeit für die Gründer – auch die Jury bestehend aus Hans Peter Haselsteiner, Leo Hillinger, Marie-Hélène Ametsreiter, Michael Altrichter, Heinrich Prokop und Daniel Zech von SevenVentures Austria, ist gefordert. Die Aufzeichnungen bedeuten lange Drehtage. Das höchste Investment in der ersten Folge bekamen Stefan Pinggera und Georg Reich von CheckYeti. Michael Altrichter hat 700.000 € Cash investiert.

Es ist Heinrich Prokops dritte Staffel an der er teilnimmt. Der Investor managet mit seiner Partnerin Marloes Voermans den Fund Clever Clover mit Sitz in den Niederlanden. Mit dem Start der neuen Staffel lancieren sie auch ihren Fund Neo2, der sich an professionelle Investoren ab einem Kapital von 100.000 € richtet. Rund 15 Start-ups im Bereich „fast moving consumer goods“ also Konsumgütern abseits von Apps, haben sie momentan in ihrem Portfolio. Sie sind vor allem wegen guter Deals mit Start-ups in einer frühen Phase dabei. „Wir wollen unsere Position im Bereich der fast moving consumer goods und vor allem im Bereich der Lebensmittel stärken.“ Die gesteigerte Aufmerksamkeit durch die Show hilft bei dieser Schärfung ihres Profils gegenüber der Investoren- und Start-up-Szene, sagt er. Er sieht den Wert der Sendung aber auch auf Seiten der Unternehmer: „Für die Start-ups ist selbst wenn sie pitchen und aber kein Investment bekommen, der Auftritt in jedem Fall ein Riesengewinn. Sie bedeutet eine unglaubliche Publicity, die sie sonst nie kriegen könnten.“ In der vierten Staffel werden Prokop und Voermans so viel wie noch nie investieren, wie sie schon vorab verraten.

Heinrich Prokop setzt auf ehrliches und direktes Feedback. Foto: Gerry Frank
Heinrich Prokop setzt auf ehrliches und direktes Feedback.
Foto: Gerry Frank

Darauf, ob das Thema Start-ups nicht schon etwas gehypet ist und ob solche Sendungen zu diesem Hype nicht beitragen, entgegnet er: „Uns ist ehrliches Feedback sehr wichtig“, Prokop nimmt also kein Blatt vor den Mund. „Auch aus diesem Grund ist diese Plattform gut, denn es holt das Thema vom Hype in die Realität. Es wird sichtbar, dass sowohl bei Start-ups aber als auch Investoren nicht immer alles rosig ist, sondern sehr viel Risiko und auch viel Arbeit im Spiel sind. Natürlich bedient es den Hype auch einerseits, indem man den Jungen eine Bühne gibt, auf der anderen Seite müssen sie sich aber auch gegenüber der Jury beweisen und da geht es ans Eingemachte“, so der Investor.

Foto: Gerry Frank, Puls4
v.l.n.r.: Leo Hillinger, Marie-Helene Ametsreiter, Heinrich Prokopp, Michael Altricher, Hans-Peter Haselsteiner Foto: Gerry Frank, Puls4

Michael Altrichter ist seit der ersten Staffel von 2 Minuten 2 Millionen dabei. Das schlägt sich auch in seinem Portfolio nieder: 20 der rund 30 Startups in die er investiert ist, kamen über die Show, wie er sagt. Sein Fokus liegt dabei eigentlich auf den Branchen IT und Apps. „Da habe ich die meiste Erfahrung und auch das größte Netzwerk. Durch die Show wird mein Fokus auf haptische Produkte erweitert“, erklärt er. Auch er sieht die Breitenwirksamkeit definitiv als positiven Effekt – der aber eher als Unterstützung, weniger als Allheilmittel, einzustufen ist, wie er beschreibt: „Auch für Start-ups in der Show gilt die Drittel-Regel. Ein Drittel entwickelt sich super, eines ist mittelgut und ein Drittel scheitert.“ Mit dieser Faustregel im Kopf, blickt Altrichter vor allem auf das Team. „Ich versuche die Glücksritter von den ehrlichen Foundern zu unterscheiden. Die Sympathie muss stimmen. Natürlich müssen auch der Markt und das Produkt attraktiv sein. Und wie viel Marktexpertise die Gründer mitbringen.“

Die Kritik, dass nicht alle Deals, die in der Sendung kommuniziert werden, abgeschlossen werden, sieht er locker. „Wir setzen ja nur ein Drittel nicht um, damit stehen wir besser da als etwa die Kollegen aus Deutschland. Ich bin stolz, dass wir doch auch Handschlagqualität haben.“ Die Deals seien etwas komplizierter, man muss meistens noch mehr wissen, als man in den insgesamt 40 Minuten Zeit, die man mit einem Start-up verbringt, herausfinden kann. Wohlgemerkt neben vier anderen Investoren, die vielleicht gleichermaßen an einer Idee oder einem Unternehmen interessiert sind. „Manche Founder sind auch nicht immer ganz ehrlich.“

Michael Altricher (links) und Hans Peter Haselsteiner (rechts) folgen gespannt dem Pitch von Check Yeti. Foto: Gerry Frank
Michael Altricher (links) und Hans Peter Haselsteiner (rechts) folgen gespannt dem Pitch von Check Yeti.
Foto: Gerry Frank

Wer die Investoren also immer am längeren Hebel vermutet, irrt. „Dass man sich mehr Anteile nimmt als die Founder ist ein absolutes No-Go. Ich wäre neben vier Gründern das fünfte Rad am Wagen. Sicher bringe ich meine Expertise und mein Netzwerk ein, die Gründer aber ihre Arbeitsleistung.“ Und klarerweise schielt man auch auf einen erfolgreichen Exit oder Folgeinvestments. „Internationale Risikokapitalgeber sagen Deals ab oder verlieren das Interesse, wenn sie sehen würden, dass die Mehrheit der Anteile nicht bei den Gründern liegt“, so der Investor. Auch das ist eines der vielen Learnings, die er gemacht hat, wenn es ums Investieren in Start-ups geht. „Am Anfang ist man fasziniert, gar euphorisiert. Man macht ein Investment, das ganz gut läuft – und dann ist man gleich hingerissen, mehrere zu machen. Und dann zerreisst es das erste. Es ist also davor zu warnen, gleich zum ‘Triebtäter‘ zu werden. Obwohl das allgemein bekannt ist: Erst wenn es wirklich passiert, merkt man, dass das weh tut und dann wacht man auf. Investments zu streuen ist gut, dennoch muss man sich immer vor Augen führen, das man auch alles verlieren kann.“ Start-ups sieht Altrichter als Zocken auf höchstem Niveau.

Trotzdem ist der Investor ein Befürworter davon, die Start-up-Szene noch weiter anzuschieben. „Es gründen immer mehr, und es fließt zunehmend Geld in Start-ups, trotzdem könnte sich noch mehr tun. Dass durch Bundeskanzler Christian Kern oder Staatssekretär Harald Mahrer Bewegung in die Politik hineingekommen ist, begrüße ich. Es gibt aber noch viel zu tun, etwa bei der Mobilisierung von privatem Geld, das in Stiftungen oder Bausparern liegt.“

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